Der vielseitige Charmeur

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Do, 22. April 2021

Kino

Er trug einen großen Namen und gab vielen seine Stimme: Zum Tod des Schauspielers Thomas Fritsch.

Für die einen war er ein Sunnyboy, ein Strahlemann, das Gesicht einer Generation von Stars, die den Aufbruch der 1970er Jahre mit vorantrieben. Für die anderen war er ein typischer Fernsehserien-Darsteller, der mit dem Alter auch in vielschichtigere Rollen hineinwuchs. Die nächsten kannten ihn als Vertreter des Boulevardtheaters – jedenfalls, so lange das noch eine Rolle spielte im Bühnengeschehen. Und wer gar keine Vorstellung hatte von ihm, der kannte seine Synchronstimme, die er Stars wie Jeremy Irons, William Hurt, Russell Crowe, Tim Curry verlieh – oder so mancher Zeichentrickfilmfigur, etwa dem Säbelzahntiger Diego in "Ice Age". Ach ja, und als Schlagersänger versuchte er sich auch noch. Fürwahr, Thomas Fritsch gehörte zu den vielseitigen Exponenten des Medienrummels im Nachkriegsdeutschland.

Und er trug einen großen Namen. Als Sohn der UFA-Filmstars Dinah Grace und Willy Fritsch ("Die drei von der Tankstelle") wurde Thomas Fritsch 1944 in Dresden direkt ins Schauspielermilieu hineingeboren. Und als wäre eine solche Karriere auch programmiert, studierte Thomas Fritsch in Hamburg, wohin es die Familie nach Kriegsende verschlagen hatte, an der Hochschule für Musik und Theater Schauspiel. Gustaf Gründgenes höchstselbst, der dort seit 1955 Generalintendant am Deutschen Schauspielhaus war, soll ihm zum Schauspielberuf geraten haben.

Ähnlich wie die sechs Jahre ältere Romy Schneider begann Fritsch seine Karriere im schmonzettigen Nachkriegsfilm, allerdings mit Hang zum Lustspielmilieu. Die ganz großen Schlager fehlten indes, aber auch der Abnabelungsprozess. Thomas Fritsch vertraute seinem Talent, seinem Charme und nicht zuletzt seinem guten Aussehen, das ihn für das expandierende Medium Film prädestinierte. Und das Fernsehen. In der ZDF-Serie "Drei sind einer zuviel" (1977) kämpfte er mit Herbert Herrmann um die Gunst von "Karlchen" alias Jutta Speidel – Wohlfühl-Vorabendheimkino aus der Feder von Barbara Noack aus einer Zeit, in der das Fernsehprogramm noch nicht mit Leichen gepflastert war.

Thomas Fritschs markanter, im Alter ins Dunke heranreifender Bariton ließ ihn sich später wieder etwas mehr dem Theater zuwenden, dem Synchronfach und im Serien-/Filmgeschehen den dunklen Gestalten. In der Edgar-Wallace-Film-Parodie "Der Wixxer" (2004) spielte er mit aller Überzeugung den Fiesling Earl of Cockwood. Doch auch solche Figuren konnten an seinem Image vom Frauenschwarm nicht rütteln.

Frau und Familie hatte er jedoch nie. Die Boulevardmedien verfolgten sein "wildes" Privatleben in München oder auf der griechischen Insel Mykonos mit wachsendem Voyeurismus, zumal als der Schauspieler 2006 seine Bisexualität öffentlich machte. Zuletzt lebte er in einem Seniorenheim. Am Mittwoch ist er, 77-jährig, gestorben. "Friedlich", wie nachzulesen war.