Umstrittenes Projekt

Bürger sammeln über 1000 Unterschriften gegen Hotelpläne in Titisee

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Mi, 22. Mai 2019 um 15:38 Uhr

Titisee-Neustadt

Eine Gruppe aus Titisee sieht die Bebauung der Hermeswiese mit einem Hotel, das sich vor allem an Gäste aus Asien und den USA richtet, kritisch. Ohne großes Aufsehen zu erregen, hat sie mehr als 1000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt.

Es geht ihnen darum, wie Titisee in Zukunft aussehen wird, darum, wie lebenswert der Ort für seine Bewohner bleibt, und darum, was sie tun können, um an dieser Entwicklung teilzuhaben: Eine Gruppe aus Titisee hat ein Bürgerbegehren gegen die Hotelpläne auf der Hermeswiese auf den Weg gebracht und dafür mehr als 1000 Unterschriften im Rathaus abgegeben.

Sie leiten damit einen Prozess ein, der den Bürgern ein direktes Mitspracherecht ermöglicht. "Es geht um eine Haltung", machen Beate Metzler und Ulrike Demattio, zwei der insgesamt vier Initiatoren, deutlich.

Die Grossmann Group aus Kehl plant, auf dem Gelände ein Hotel mit 120 Betten zu bauen. Bei einem Baustart im kommenden Jahr soll das Haus – welches sich vor allem an Gäste aus Asien und den USA richtet – 2022 eröffnet werden. Mitte Dezember war das Vorhaben bekannt geworden, nachdem sich der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung damit beschäftigt hatte. Konkrete Pläne wurden von Seiten des Investors bislang keine vorgelegt, bis Ende des Jahres hat er dafür Zeit.

Wo liegt die Belastungsgrenze?

Das Hotel am Bahnhof, der Neubau auf dem Gelände des Hauses Tannfried und nun noch dieses Großprojekt – "wir sind umgeben von Maßnahmen, deren Folgen für unseren Ort nicht absehbar sind", sagen Metzler und Demattio. Dabei sei die Belastungsgrenze schon heute erreicht: Mehr und mehr breite sich der Tourismus aus, den Bürgern bleibe immer weniger Raum.

Hinzu komme das ungelöste Verkehrsproblem. Wie es sich darstellt, wenn erst ein weiteres Hotel mit 120 Betten eröffnet hat – diese Frage bereitet den Initiatoren des Bürgerbegehrens Sorgen.

Zusammen mit Marita Moosmann und Bernd Schwarte haben Beate Metzler und Ulrike Demattio deshalb die Initiative gestartet und die Unterschriftenlisten mit "Es reicht – Übertourismus in Titisee" überschrieben. Darunter ist die Frage formuliert, ob der Unterzeichner gegen den Verkauf des Grundstücks Hermeswiese zum Bau eines Hotels und gegen die Bebauung dieses Grundstücks mit Parkplätzen ist. Die Frage beziehe sich, so Demattio, nur auf die Bebauung des städtischen Areals.

Die Bebauung sei ein einschneidendes Vorhaben für Titisee, mit ihr würden Tatsachen geschaffen. Deshalb sei es jetzt an der Zeit, sich darüber klar zu werden, wie die Zukunft des Ortes aussehen soll, und sich zu Wort zu melden. "Es wird in die Lebensqualität eingegriffen", sagen Ulrike Demattio und Beate Metzler.

Blick auf die nachfolgenden Generationen

Werde das Vorhaben verwirklicht, sei die Freifläche als wichtige Ressource weg – beispielsweise für eine Entwicklung, die allen Bürgern dienen kann. "Der Verkehr aber ist da, den wird man nicht mehr los. Dürfen wir heute so dominant sein und diese Entscheidung fällen oder sollten wir sie unseren Kindern überlassen", fragt Ulrike Demattio. Außerdem: Die Hermeswiese sei einer der wenigen Rückzugsorte für Kinder in Titisee. "Eine natürliche Grenze zu all dem Rummel."

Dass sie mit ihren Befürchtungen nicht alleine sind, das zeigen den Initiatoren die rund 1000 Unterschriften, die in den vergangenen dreieinhalb Wochen zusammengekommen sind. Die Unterstützer stammten aus allen Teilen der Bevölkerung, von Jung – ab 16 Jahren darf unterschrieben werden – bis Alt, vor allem aus Titisee, aber auch aus Neustadt. Es fänden sich zudem einige Vertreter aus der Gastronomie und Hotellerie unter den Unterzeichnern. "Ihnen allen ist nicht egal, was aus dem Ort wird."

"Wir wollen keine Gräben aufreißen." Die Initiatoren
Sehr behutsam sei das Team beim Sammeln der Unterschriften vorgegangen, erklären Demattio und Metzler. Es sei nicht laut für das Anliegen geworben und die Leute seien nicht offensiv angesprochen worden. Im Gegenteil: Je länger die Aktion dauerte, umso mehr Bürger seien von sich aus gekommen und hätten nach Listen gefragt, auf denen sie selbst weitere Unterschriften sammeln können.

"Eines ist uns sehr wichtig: Wir wollen keine Gräben aufreißen." Vielmehr gehe es dem Quartett um eine ehrliche Meinungsbildung und darum, ein Signal an die Entscheidungsträger zu senden. Denn: Bislang seien die Bürger bei diesem Thema außen vor gewesen. "Man hört viel, aber man weiß nichts. Auch damit sind viele unglücklich."

Um ein Bürgerbegehren ins Leben zu rufen, müssen mindestens sieben Prozent aller wahlberechtigten Bürger das Vorhaben mit ihrer Unterschrift unterstützen. Mit den mehr als 1000 im Rathaus abgegebenen Unterschriften dürfte diese Hürde genommen sein, wie Ulrike Demattio sagt. Die Verwaltung muss die Unterschriften innerhalb von zwei Monaten prüfen. Dann entscheidet der Gemeinderat: Wird das Thema im Gremium neu aufgerollt und beraten – oder findet der Bürgerentscheid statt?