Goldene Zeiten

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Do, 11. April 2019

Titisee-Neustadt

Benefiz-Kulturabend der Hansjakobschule ist ein dreifacher Erfolg / 200 Besucher bringen 3000 Euro für Projekt Zirkuswagen.

TITISEE-NEUSTADT. Das war dreifaches Glück: Zum einen konnten sich die Besucher des Benefiz-Kulturabends der Hansjakobschule am Dienstagabend über ein wunderbares Konzert freuen, zum zweiten die Organisatoren über ein ausverkauftes Haus und zum dritten die Akteure, die es sichtlich genossen, bei dieser Veranstaltung das Grundschulprojekt "Zirkuswagen" unterstützt zu haben. Mehr als 200 Besucher ließen es sich nicht nehmen, die Schwarzwälder Gospel Singers, die Bure zum Alange, die Coverbrothers und die Wilden Wälder zu erleben.

"Das war schon etwas ganz Besonderes", freute sich Schulleiter Stefan Lotze, dass es der Schule in Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat und dem Förderverein gelungen war, die vier im Hochschwarzwald bekannten Ensembles für eine solche Benefiz-Veranstaltung, an deren Ende über 3000 Euro in die Kasse flossen, zu gewinnen. Besonders freute er sich aber, dass diese Veranstaltung so toll angenommen wurde und in sich stimmig war. "Alle Akteure haben einen Bezug zur Hansjakobschule", berichtete Elternbeiratsvorsitzende Daniela Gunzlé. Die einen seien selbst Schüler der Grundschule gewesen, die anderen hätten Kinder an der Schule. "Die von uns angesprochenen Bands haben alle spontan zugesagt und wollten uns unterstützen", sagte sie weiter.

In dem von Michaela Tröscher mit ihrer Nachmittagsgruppe ganz in Gold gestalteten Sporthalle war die Stimmung bei den Besuchern von Anfang an bestens. Das lag sicherlich auch daran, dass es Stefan Lotze mit seinen Partnern Magnus Cordes-Schmid und Waldemar Lang mit ihren pantomimischen Zwischenspielen gelang, in den Abend ohne Worte einzuführen und die kleinen Pausen zwischen den Auftritten spaßig-witzig zu überbrücken und dabei die Gäste mit ins Spiel einzubeziehen. Die machten bei diesen Einlagen mal stampfend, mal singend, mal klatschend begeistert mit.

"Wir sind in diesem Haus geboren", sagte Gabriele von Oppen, denn die erste Probe des Gospelchors der evangelischen Kirchengemeinde hat in einem Klassenraum der Hansjakobschule stattgefunden. Der im Jahr 2016 gegründete Chor hat unter dem Dirigat der examinierten Kirchenmusikerin ein breites Repertoire erarbeitet, wovon die rund 80 Sängerinnen und Sänger mit großer Sangesfreude einen Teil präsentierten.

"Jeder ist ein kleiner Held

im Hansjakob-Zelt"

Schwarzwälder Gospel Singers
Die bekannten und beliebten Gospels "The Reason we sing", "Down by the Riverside" und "Amen" waren dabei ebenso zu hören wie auch in Deutsch gesungene Lieder "Hör auf Dich" oder ein Loblied auf die Schule "Jeder ist ein kleiner Held im Hansjakob-Zelt". Rhythmisch sauber, in fein abgestimmter Klangfarbe und die Lebensfreude versprühend, die den Gospels innewohnt, begeisterten die Gospels Singers die Besucher.

Ein Kontrastprogramm folgte mit den Bure zum Alange (Nikolaus König und Wolfgang Winterhalder). "Toilette ist ein wunderbares Thema, das stinkt zum Himmel", nahmen die Bure sich eines Themas an, das auch für die Hansjakobschule eines ist. "Ich war hier Schüler und war jetzt wieder auf der Toilette. Da hat sich in den vergangenen 30 Jahren nichts verändert." Aber vielleicht nehme sich die HTG ja dieses Problems an. "Deren Container in Titisee könnten die ja in der Woche hier aufstellen und am Wochenende am Parkplatz." Mit frechem, manchmal derbem Charme warfen sich der Bur und der Kurgast die Bälle zu, schwadronierten über Kuhdung oder Vegetarier. "Ich bin seit fünf Tagen Vegetarier. Weil wer kein Fleisch isst, verbessert die Welt. Und ich spür’ schon, die Welt hat sich verbessert." Kein Blatt vor den Mund nahmen sie auch beim Zirkuswagen. "Die eine Hälfte wird ein Hühnerstall." – "Und die andere Hälfte?" – "Das wird ein Isolationsraum." Das Ganze untermalten sie mit "Das Fressen für eine bessere Welt" oder zum Mitsingen "Das Leben ist schön".

Schlager in eigener Machart, untermalt mit einer Gitarre, sangen dann die Coverbrothers (Helmut und Jens Amberg). "Atemlos durch die Nacht" kam in einer ganz neuen Version heraus, wunderbar getragen das "It’s wonderful" von Paolo Conte, oder "brutal modern aus 2016. Da können wir zeigen, wie so alte Leute mit Rap umgehen", sagte Helmut Amberg. Udo Jürgens’ "Aber bitte mit Sahne" durfte dann auch nicht fehlen, ehe Kurt Weills "Kriminal-Tango" die Zuhörer mitriss.

Und zum Schluss dann die Wilden Wälder (Karl Willmann, Tobias Schwab, Christoph Hog und Georg Stelz), gnadenlos frech, gnadenlos hochschwarzwälderisch, gnadenlos gut. Die schon zuvor strapazierten Lachmuskeln wurden noch einmal gefordert, egal ob beim Waschmaschinenlied, dem zweisprachigen Reiseführer oder dem Lied über den Sellerie. Fetzig und rockig auch die 3001. Coverversion von "Yesterday", wobei sich die Beatles sicher ziemlich auf die Schippe genommen gefühlt hätten. Denn die Wilden Wälder machten aus diesem Hit den Song "Wurstsalat". Einfach großartig.

"Eine Wiederholung ist derzeit nicht geplant und kann man auch nicht jedes Jahr durchführen", sagte Stefan Lotze. Aber es gebe in Neustadt viele gute Bands und Gruppen mit Bezug zur Hansjakobschule. "Vielleicht werden wir in zwei, drei Jahren wieder eine solche Veranstaltung durchführen."