Corona

Todesfälle durch Corona-Gerüchte

dpa

Von dpa

Mi, 12. August 2020 um 20:30 Uhr

Panorama

Kamel-Urin, Methanol, Stechapfel: Eine Studie untersucht angebliche Heilmittel gegen Covid-19, die nicht wirken oder erst recht krank machen.

. Seit Beginn der Pandemie haben laut Forschern Fehlinformationen und Gerüchte in Verbindung mit dem Coronavirus Hunderte Menschen das Leben gekostet. Tausende mussten wegen im Internet verbreiteten Falschinformationen im Krankenhaus behandelt werden, ergab eine im American Journal of Tropical Medicine and Hygiene veröffentlichte Studie. Neben der Pandemie gebe es eine Infodemie, warnen die Wissenschaftler aus Australien, Thailand und Japan – also einen "Überfluss an teils richtigen und teils unrichtigen Informationen". Die Masse an Informationen mache es Menschen schwer, vertrauenswürdige Quellen und verlässliche Orientierungshilfe zu finden. Die Forscher trugen Daten von Dezember 2019 bis April 2020 zusammen. Ihre Studie untersucht auch die Folgen von Verschwörungstheorien und Stigmatisierungen.

Viele der überwiegend in sozialen Netzwerken verbreiteten falschen Behauptungen zur Bekämpfung des Virus seien gefährlich und teils lebensbedrohlich, stellten die Forscher fest. Sie warnten: "Gerüchte können sich als glaubwürdige Strategien zur Infektionsprävention und -kontrolle tarnen." Dabei könnten sie "potenziell schwerwiegende Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gemeinschaft haben, wenn sie evidenzbasierten Richtlinien vorgezogen werden".

So kostete der Konsum von hochkonzentriertem Alkohol zur vermeintlichen Desinfizierung des Körpers weltweit 800 Menschen das Leben. Mehr als 5800 landeten nach dem Verzehr von Methanol im Krankenhaus, 60 erblindeten, so die Forscher. Das Trinken von Desinfektionsmitteln habe für zwei gesunde Männer in Katar lebensgefährliche Folgen gehabt.

In Indien nahmen sieben Erwachsene und fünf Kinder einen Drink aus giftigen Stechäpfeln zu sich. Sie hatten im Internet ein Video gesehen, in dem die Pflanze zur Immunisierung gegen Sars-CoV-2 beworben wurden. Alle wurden krank.

Ebenfalls in Indien wurde das Gerücht verbreitet, der Konsum von Kuh-Urin oder -Dung beuge einer Ansteckung vor. In Saudi-Arabien wurde Kamel-Urin mit Limone gegen Covid-19 empfohlen.

Die Forscher untersuchten auch mögliche Folgen einer Stigmatisierung Infizierter. So habe sich ein Mann in Indien das Leben genommen, weil er glaubte, mit Corona infiziert zu sein. Seine Familie sagte, er habe Schuldgefühle gehabt, die mögliche Erkrankung als Schande empfunden und Angst vor der Reaktion seiner Mitmenschen gehabt. Auch sei es vielerorts zu verbaler und physischer Gewalt gegenüber Menschen asiatischer Herkunft und Mitarbeitern des Gesundheitssystems gekommen, weil beide Gruppen für die Ausbreitung des Virus verantwortlich gemacht wurden.

Die Wissenschaftler forderten Regierungen und internationale Organisationen auf, Corona-Fehlinformationen im Internet besser zu überwachen, diese als falsch zu entlarven und "mit Social-Media-Unternehmen zusammenzuarbeiten, um korrekte Informationen zu verbreiten." Die meisten Fehlinfos grassierten in Indien, den USA, China und Spanien.

Es ist nicht das erste Mal, dass bei Epidemien Fehlinformationen um sich greifen. Das sei auch beim Ebola-Ausbruch 2019 im Kongo so gewesen, "verbunden mit Gewalt, Misstrauen, sozialen Unruhen und gezielten Angriffen auf Gesundheitsmitarbeiter". Auch beim Sars-Ausbruch in China 2002/03 seien Menschen asiatischen Ursprungs stigmatisiert worden.