"Toll ist der Kontakt zu den Kunden"

Mathilda Mangel und Chiara Meier, Klasse 4, Maria-Sibylla-Merian-Grundschule Kiechlinsbergen-Königschaffhausen

Von Mathilda Mangel und Chiara Meier, Klasse 4, Maria-Sibylla-Merian-Grundschule Kiechlinsbergen-Königschaffhausen (Endingen)

Fr, 02. Juli 2021

Zisch-Texte

ZISCH-INTERVIEW mit Peggy Böhm und Ruth Würstlin vom Hausnotrufteam des DRK Emmendingen über ihre Aufgaben .

Die Zisch-Reporterinnen Mathilda Mangel und Chiara Meier aus der Klasse 4 der Maria-Sibylla-Merian-Grundschule in Kiechlinsbergen-Königschaffhausen haben ein Interview mit Peggy Böhm und Ruth Würstlin vom Hausnotruf des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Emmendingen geführt.

Zisch: Was ist der Hausnotruf?
Böhm: Der Hausnotruf ist eine Einrichtung, um den Teilnehmern im Notfall Hilfe zukommen zu lassen. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, mit einem Gerät, dem Hausnotrufgerät, den Notruf auszulösen. Die Leitstelle bekommt dann die Mitteilung, dass sich eine Person mit einem Problem bei ihnen meldet. Das System schaltet die Hausfreisprecheinrichtung ein und die verunglückte Person kann direkt schildern, was passiert ist und bekommt Hilfe.

Zisch: Wie genau funktioniert das Hausnotrufgerät?
Böhm: Das Gerät ist eine Freisprechanlage, ein kleiner grauer Kasten mit einer Station. Es wird an die Telefonleitung oder über den Internet-Router angeschlossen. Die Teilnehmer bekommen einen Funksender als Armband, den sie tragen müssen. Wenn dann etwas passiert, zum Beispiel sie sind gestürzt oder befinden sich in einer hilflosen Lage, dann drücken sie den Notruf-Knopf an ihrem Armband. Dadurch wird der Alarm ausgelöst. Dieser Notruf geht dann in der Leitstelle ein.

Zisch: Wie ist der Hausnotruf entstanden?
Würstlin: Gute Frage: In den 1990er-Jahren wurde dieser Hausnotruf vom Kreisverband gegründet.
Böhm: Die Entwicklung der Hausnotruf-Systeme wurde jedoch schon früher von diversen Firmen vorangetrieben. Das Gerät, die Erfindung und Herstellung entstand also schon früher. Die Firmen bauen diese Geräte. Der DRK-Kreisverband ist eigentlich nur der Vertreiber.

Zisch: An wen richtet sich der Hausnotruf?
Böhm: Er ist größtenteils für Senioren, die entweder allein leben oder mit einem Partner zusammen. Manche Senioren kommen in ihrer Wohnung nicht mehr ans Telefon und können sich selbst nicht mehr helfen, wenn sich ein Notfall ereignet. Der Hausnotruf richtet sich aber auch an jüngere Leute, die eine Behinderung haben und das Telefon nicht selbst bedienen können.

Zisch: Was passiert, wenn ein Notfall gemeldet wird?
Böhm: Der Notruf kommt in der Leitstelle an, das ist hier oben im Gebäude eine extra Abteilung. Die sogenannten Disponenten nehmen den Anruf entgegen und versuchen, Kontakt zu den Teilnehmern aufzunehmen über das Gerät des Hausnotrufs. Die Disponenten fragen nach, was genau passiert ist. Und je nachdem, was sie für eine Antwort erhalten, schicken sie die Kontaktpersonen – das sind dann Bekannte oder Verwandte der betroffenen Person, die dann nach ihr sehen. Oder die Disponenten schicken den Rettungsdienst direkt, der den Leuten helfen kann und sie versorgt oder ins Krankenhaus bringt.
Würstlin: Ein Großteil der Teilnehmer unseres Hausnotrufs hat bei uns eine Schlüsselhinterlegung. Das bedeutet, dass ein Wohnungsschlüssel auf der nächstgelegenen Rettungswache hinterlegt ist. Und wenn es zu einem Notfall kommt, schickt die Leitstelle den Rettungsdienst hin, und dieser kann mit dem Wohnungsschlüssel in die Wohnung hinein und den Teilnehmern direkt helfen.

Zisch: Wer wird im Notfall informiert?
Würstlin: Der Notruf geht also auf der Leitstelle ein. Und dann wir die angegebene Kontaktperson informiert. Jeder Teilnehmer, der ein Hausnotruf hat, muss eine bestimmte Menge an Kontakten angeben. Zum Beispiel Freunde, Nachbarn, Bekannte, Verwandte oder Angehörige.
Böhm: Genau. Wenn als Beispiel ein Rollstuhlfahrer aus dem Rollstuhl fällt, wird von der Leitstelle die angegebene Kontaktperson angerufen, dass sie dem Teilnehmer wieder zurück in den Rollstuhl helfen kann.

Zisch: Was passiert, wenn jemand aus Versehen den Notruf drückt? Unsere Uroma hatte immer Angst, dass dann gleich der Notarzt kommt.
Würstlin: Nein. Wenn jemand aus Versehen den Notruf betätigt, ist es einfach wichtig, dass man, wenn sich die Leitstelle meldet, antwortet: "Entschuldigung, ich bin versehentlich an den Knopf gekommen." Das ist kein Problem, denn sowas kommt täglich mehrere Male vor.
Böhm: Ja, es wird nicht automatisch der Notarzt oder Rettungsdienst gesendet! Wenn zum Beispiel die Oma draußen in Garten arbeitet und zufällig beim Heckenschneiden an den Auslöser kommt, dann kann die Leitstelle im Haus ja niemand erreichen über die Freisprechanlage. Also wird hier zunächst eine Kontaktperson informiert, dass sie nachsehen soll, was geschehen ist. Die Kontaktperson wird also angerufen, dass ein Signal ankam und vielleicht etwas passiert ist.

Zisch: Wie viel Mitarbeiter gibt es beim Hausnotruf des DRK Emmendingen?
Würstlin: Drei.

Zisch: Wie viele Haustelefon-Teilnehmer haben Sie?
Würstlin: 1175 Teilnehmer.

Zisch: Wie viele Telefone gibt es beim Hausnotruf?
Böhm: Eins, zwei, drei, vier…. Es gibt vier. (lacht) Und wenn eines besetzt ist, klingelt das Nächste.
Würstlin: Wenn man gut ist, kann man auch zwei gleichzeitig annehmen. Ansonsten muss einer halt warten.

Zisch: Wie lange arbeiten Sie hier schon?
Würstlin: Seit drei Jahren
Böhm: Ich bin seit anderthalb Jahren hier.

Zisch: Was hat Sie zu diesem Beruf gebracht, und haben Sie schon immer hier gearbeitet?
Würstlin: Ich bin durch das Ehrenamt des Roten Kreuzes zum Hausnotruf gekommen. Ursprünglich habe ich Schneiderin gelernt. Ich bin aber schon über 30 Jahre im Roten Kreuz aktiv und habe einige Ausbildungen erworben, was auch Voraussetzung ist, dass man beim Hausnotruf arbeiten kann. Man benötigt etwas medizinische Grundkenntnisse, dass man helfen kann, wenn man bei den Senioren vor Ort ist und etwas ist.
Böhm: Ich bin gelernte OP-Schwester. Ich habe eine Zeitlang im OP und danach in der Medizintechnik gearbeitet. Und wie dann meine Kinder in den Kindergarten gekommen sind und ich wieder arbeiten wollte, war diese Stelle für mich prädestiniert. Hier konnte ich meine Kenntnisse aus meinem vorherigen Beruf gut einsetzen und viel abdecken.

Zisch: Was mögen Sie an Ihrem Job?
Würstlin: Es ist sehr abwechslungsreich.
Böhm: Man hat ganz viele Aufgaben, die sind nie gleich. Das Tollste ist der Kontakt mit den Kunden, die sehr dankbar sind, wenn ihnen geholfen wurde. Und wenn sie sich etwas sicherer fühlen, weil sie den Hausnotruf installiert haben.

Zisch: Können Sie uns einen Tag bei Ihrer Arbeit beschreiben?
Böhm: Das ist sehr unterschiedlich. Es kommt darauf an, ob man viele Außentermine hat – das ist ein Großteil der Arbeit. Dann werden viele Geräte installiert, wieder abgeholt und repariert. Es gibt aber auch Störungen der Telefonleitungen, da muss dann geprüft werden, an was das liegt. Ansonsten führen wir viele Telefonate, in denen sich neue Kunden informieren und den Hausnotruf beantragen.
Würstlin: Alle vier Tage werden außerdem Funktionskontrollanrufe getätigt. Diese werden automatisch von den Geräten gemacht. Das bekommen die Teilnehmer nicht mit. Und wenn dieser Anruf nicht durchgeht, dann bekommt der Computer eine Fehlermeldung angezeigt. In diesem Fall wird der Teilnehmer gebeten, einen Notruf auszulösen, um so zu testen, ob die Funktion weiter besteht oder ob das Gerät defekt ist. Wenn es defekt ist, fährt jemand zum Teilnehmer hin, um den Fehler zu finden.

15. Was haben Sie in Ihrem Job Neues gelernt?
Würstlin: Organisation. Das lernt man hier. Das ist hier das halbe Leben.
Böhm: Ja. Man muss hier ganz viele Dinge ganz schnell koordinieren können und Absprachen mit Kollegen treffen und gut organisieren. Sonst geht es schief. Denn sonst macht der eine etwas und der andere ist nicht drüber informiert und dann geht natürlich auch mal was in die Hose.

Zisch: Was ist das Spannendste in Ihrem Beruf?
Böhm: Für mich ist es spannend, die Wohnungen der Kunden zu sehen, wie sie leben und wie sie zurechtkommen.

Zisch: Was hat sich durch Corona bei Ihnen verändert?
Würstlin: Einiges... Also zu Beginn von Corona war es sehr schwierig, da man bei den Hausbesuchen die Hygienevorschriften einhalten muss. Zunächst hatten wir auch wenig Schutzkleidung. Das hieß für uns, dass wir die Anschlüsse reduzieren mussten. Wir haben versucht, viel telefonisch über die Angehörigen und Kontaktpersonen abklären zu lassen.
Böhm: Ja. Auch die Ersteinrichtungen haben wir versucht, mit Hilfe der Angehörigen anzuschließen. Um so den Kontakt mit den älteren Menschen so stark wie möglich zu reduzieren und diese Teilnehmer zu schützen.
Würstlin: Oder wir haben versucht, mit Hilfe einer anwesenden Kontaktperson und dem Teilnehmer selbst Dinge zu klären. Der Teilnehmer war in diesem Fall in einem anderen Raum, damit der direkte Kontakt mit unseren Mitarbeitern, so gut es ging, verringert war.