Rundfunkbeitrag erhöht

Tom Buhrow: "Wir sind jetzt in der Lage, unseren Auftrag verlässlich weiter zu erfüllen"

Anna Ringle

Von Anna Ringle (dpa)

Do, 05. August 2021 um 20:09 Uhr

Computer & Medien

Es steht fest: Der Rundfunkbeitrag steigt. Was 86 Cent mehr für die ARD bedeuten und warum der Verbund trotzdem weiter sparen wird, erläutert der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow im Interview.

BZ: Wie wird die Erhöhung des Beitrags von 17,50 Euro auf 18,36 Euro nun umgesetzt? Was ist der nächste Schritt?
Buhrow: Die praktische Umsetzung des Beschlusses obliegt dem Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Das ist jetzt eine administrative und logistische Aufgabe, die bei ungefähr 40 Millionen Beitragskonten natürlich etwas aufwendig ist.

BZ: Was ist der ARD durch die Anhebung um 86 Cent monatlich erspart geblieben?
Buhrow: Wir sind jetzt in der Lage, unseren Auftrag verlässlich weiter zu erfüllen und das bestmögliche Programm für die Menschen in Deutschland zu machen.

BZ: Sie hatten nach der Blockade Sachsen-Anhalts klargemacht, dass man ohne Erhöhung des Beitrags das Ganze auch im Programm sehen und hören würde. Sind die Programmeinschnitte nun vom Tisch?
"Es ist nicht so, dass auf einmal die große Entspannung eintritt. Aber wir haben jetzt eine verlässliche und bedarfsgerechte Finanzierung." Tom Buhrow
Buhrow: Wir wirtschaften schon lange sparsam – anders, als das mancher gerne darstellen möchte. Wir werden das auch weiter tun. Es ist nicht so, dass auf einmal die große Entspannung eintritt. Aber wir haben jetzt mit dem Beschluss eine verlässliche und bedarfsgerechte Finanzierung. Das heißt, man hat das Nötige, um den Programmauftrag zu erfüllen – muss aber trotzdem schauen, dass man es weiter sparsam und wirtschaftlich macht. Dazu sind wir jetzt in der Lage. Wenn die Finanzierung nicht bedarfsgerecht ist, dann kann man den Bedarf auch nicht erfüllen.

BZ: Eine Folge der Einschnitte wäre gewesen, dass die geplante ARD-Kulturplattform mit einem gemeinsamen digitalen Angebot von ARD-Sendern nicht starten kann. Wird die Plattform kommen?
Buhrow: Dazu gibt es einen eindeutigen Beschluss in der ARD, nämlich dass wir auf Grundlage der 18,36 Euro gemeinsam diese Anstrengung unternehmen wollen. Unsere Beschlüsse halten wir untereinander auch solidarisch ein.

BZ: In den Bundesländern läuft eine Diskussion um die Reform des Auftrags und die Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Im Netz liest man polemische Töne, auch gibt es auf Demonstrationen Stimmen, die an der Akzeptanz des Systems rütteln wollen. Wird die Erhöhung des Rundfunkbeitrags nun positive Effekte bringen, oder wird die Diskussion womöglich dadurch sogar schwieriger?
"Ich verspreche allen Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern in Deutschland: Die ARD bleibt auf Reformkurs" Tom Buhrow
Buhrow: Weder noch. Der Beschluss zur Finanzierung hat nichts mit der politischen Diskussion um unseren Auftrag zu tun. Ich habe immer gesagt: Es ist legitim zu sagen, wir wollen den Auftrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verändern. Das ist demokratisch absolut legitim. Die Landtage können das tun. Wir begleiten das auch konstruktiv und sperren uns nicht gegen Reformen. Was nicht geht, ist, dass man uns einen Auftrag gibt und dann sagt, wir wollen ihn aber nicht so finanzieren wie es nötig ist und durch eine unabhängige Expertenkommission – die KEF – festgestellt. Die Reformdiskussion läuft also unabhängig weiter. Ich verspreche allen Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern in Deutschland: Die ARD bleibt auf Reformkurs – wirtschaftlich, inhaltlich und technologisch.

Tom Buhrow (62) ist derzeit Vorsitzender der ARD-Anstalten und seit 2013 Intendant der größten Anstalt des Verbunds, des WDR.