Tonholz trifft App

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

So, 15. Dezember 2019

Geschäfte (fudder)

Der Sonntag Ein Start-up aus Freiburg entwickelt ein variierbares akustisches Memory.

Ein Geigenbauer und ein Programmierer aus Freiburg verschaffen mittels Holz, Chips und Smartphone einem alten Gesellschaftsspiel ganz neue Möglichkeiten – am Anfang stand die Idee, klassische Musik zu vermitteln.

Das Plättchen schwebt über dem Smartphone, eine Solo-Violine spielt los. "Ja, kenne ich aus der Werbung" denkt der Mitspieler, oder vielleicht sogar "Aha, Rigoletto, Verdi". Egal, er weiß in beiden Fällen ungefähr, wie die nächsten Takte klingen, nun gilt es, sie zu finden. Ein anderes Plättchen hochgehoben – nein, falsche Melodie. Dafür freut sich der nächste Spieler – zu diesen Tönen hat er doch schon irgendwo den Anfang..., ja, da ist es. Das Smartphone bestätigt den Treffer: "Johannes Brahms, ungarische Tänze" – und aus dem Lautsprecher kommt eine Orchesterversion derselben.

Klang² nennen Sebastian Oberlin und Adrian Rennertz ihr System, Klangquadrat gesprochen, und derzeit verbringen der Geigenbauer und der IT-Fachmann die meiste Zeit damit, ihre Quadrate in einem Hinterhof an der Tennenbacher Straße in Freiburg versandfertig zu machen. Über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter haben sie Kunden gefunden, ein TV-Beitrag hat den Verkauf weiter angekurbelt.

Das Prinzip: Zwanzig Holzplättchen beinhalten jeweils einen Chip, auf den der NFC-Sensor reagiert, den die meisten Smartphones heute beinhalten. So lassen sich den Plättchen via Smartphone-App beliebig Klänge zuschreiben. Beispielsweise gesprochene Länder und Hauptstädte – paart der Spieler die wie ein Memory ausgelegten Plättchen korrekt, ertönt die Nationalhymne des jeweiligen Landes. Mit Tierlauten und den Namen der Tiere funktioniert es genauso und mit vielen noch gar nicht realisierten Ideen. "Die Magie steckt in der App", sagt Adrian Rennertz. "Deswegen ist das unendlich variierbar. Die Leute, die jetzt via Kickstarter kaufen, kaufen nicht das fertige Produkt, sondern auch das, was in Zukunft noch kommt." Die haptische Option darauf sind die Holzplättchen, gefertigt aus ausgesuchtem Tonholz: Ahorn, Birne, oder Zypresse. Natürlich hätte man sie auch aus Plastik machen können, aber nicht mit einem Geigenbauer. "Der Inhalt hat eine Wertigkeit, ein gewisses Gewicht und er kommt aus der Region", sagt Sebastian Oberlin.

Pädagogischer Kern des Spiels – auch hier kommt der Geigenbauer durch – ist das Spiel mit Komponisten und Melodien. Echte Kenner wären mit der "Best-of-Klassik"-Auswahl deutlich unterfordert, aber für die könnten künftige Sets ja eigene Anforderungen bieten. "Theoretisch könnten sie irgendwann auch eine ganze Bruckner-Sinfonie in Stücke aufteilen", sagt Sebastian Oberlin. Die gälte es dann wie ein Puzzle in die richtige Reihenfolge zu bringen. Aber mehr hat er niederschwellige Heranführung im Auge. "Es ist immer die Frage, wo man die Leute abholt", sagt er, und sinniert über ein Spiel, bei dem Autofans die Geräusche von Motoren korrekt einem Lamborghini oder Porsche zuordnen müssen. "Und irgendwann starten die vielleicht auch mal das mitgekaufte Set mit klassischer Musik, spielen es an und entdecken dabei etwas."

Über die Kickstarter-Plattform lassen sich die Holzquadrate samt App und fünf installierten Themen – Komponisten, Hauptstädte, Tiergeräusche, Kinderlieder sowie einem Tonleiter-Trainer – noch bis zum morgigen Montag Mittag für 65 Euro erwerben, danach auf direkte Anfrage. Für den Gabentisch reichten die Lieferzeiten aber nicht, warnt man in der Zwei-Mann-Firma. Eher müsse man mit Februar rechnen.