Radsport

Tour de France: Das Gelbe Trikot wechselt am grünen Tisch

dpa, bz

Von dpa & BZ-Redaktion

Mi, 02. September 2020 um 20:23 Uhr

Radsport

Da Julian Alaphilippe eine Getränkeflasche annimmt, ist nun Adam Yates Tour-de-France-Gesamterster.

Riesenschock für Frankreichs Liebling Julian Alaphilippe: Der Star bekam nach der fünften Etappe der 107. Tour de France von der Jury eine Zeitstrafe aufgebrummt und verlor damit sein Gelbes Trikot an den Briten Adam Yates. Alaphilippe hatte verbotenerweise 17 Kilometer vor dem Ziel eine Getränkeflasche von seinem Team angenommen. Das ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erlaubt: Die Grenze ist bei Kilometer 20 festgelegt. Die Jury kannte kein Pardon: 20 Sekunden Zeitabzug, womit der Brite Adam Yates (Team Mitchelton-Scott) das Gelbe Trikot übernahm.

Da rückte der Etappensieg des Belgiers Wout van Aert ganz in den Hintergrund. Nur einen Tag nach dem Coup von Primoz Roglic schlug damit ein weiterer Teamkollege von Tony Martin zu und bescherte der Jumbo-Visma-Mannschaft den nächsten Etappensieg. Van Aert holte sich am Mittwoch auf dem fünften Teilstück nach 183 Kilometern von Gap nach Privas den Sieg vor den zeitgleichen Cees Bol (Niederlande/Team Sunweb), Sam Bennett (Irland/Deceuninck-Quick-Step) und Peter Sagan (Slowakei/ Bora-Hansgrohe). Damit bewahrheitet sich immer mehr, dass Martins niederländisches Team die Vormachtstellung im Radsport übernommen hat.

So richtig hektisch wurde es nicht während, sondern erst nach dem Zieleinlauf, als plötzlich Yates als Gesamtführender aufgelistet wurde. "Das ist nicht die Art und Weise, wie ich das Trikot holen wollte. Das will niemand", sagte Yates. Deutschlands Hoffnungsträger Emanuel Buchmann (Ravensburg/Team Bora-Hansgrohe), der wie die Favoriten Primoz Roglic (Slowenien) und Egan Bernal (Kolumbien/Ineos Grenadiers) im Hauptfeld das Ziel erreichte, liegt 22 Sekunden hinter Yates auf Rang 17.

Der Tagessieg ging aber an van Aert, der seit dem Neubeginn Anfang August einen Super-Lauf hat. Fünf Siege, darunter den Klassiker Mailand-Sanremo und das Schotterrennen Strade Bianche hat van Aert bereits geholt. "Das war die einfachste Etappe, die ich gefahren bin, aber das Finish war hart", sagte van Aert, nachdem es lange Zeit ein Stillhalteabkommen im Feld gegeben hatte. "Diese Etappe kam meinen Fähigkeiten entgegen", fügte der frühere Cross-Weltmeister hinzu.

Jubelstürme in Slowenien

Nach der Kletterpartie am Vortag konnten sich die Stars der Branche zurückhalten. Die erste Bergankunft am Dienstag hatte aber bereits einen Fingerzeig für den weiteren Verlauf gegeben. Ex-Skispringer Roglic ist der Mann, den es zu schlagen gilt. Dass sein Landsmann Tadej Pogacar zudem Zweiter wurde, löste in der Heimat Jubelstürme aus. "Ein historischer Tag für den slowenischen Radsport", schrieb das Blatt Delo und fügte nach dem Doppelerfolg auf der ersten Bergankunft der 107. Tour de France hinzu: "Und das war nur die Vorspeise für Roglic und Pogacar."

Der in Freiburg lebende Simon Geschke (Team CCC) kam auf Rang 85 mit 1:13 Minuten Rückstand. In der Gesamtwertung liegt er – 25:35 Minuten hinter Spitzenreiter Yates – auf Rang 78.

6. Etappe, Donnerstag: Le Teil – Mont Aigoual (191 Kilometer/Bergankunft).