Skispringen

Tournee-Spitzenreiter Granerud gewinnt die Qualifikation in Innsbruck, Eisenbichler Vierter, Geiger Siebter

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 02. Januar 2021 um 15:29 Uhr

Skispringen

Der Norweger Halvor Egner Granerud entscheidet die Qualifikation für das dritte Springen der Vierschanzentournee für sich. Markus Eisenbichler wird Vierter, Karl Geiger Siebter.

Er war der Favorit vor der 69. Reise zu den vier Schanzen, und er ist es auch jetzt wieder. Obwohl der Norweger Halvor Egner Granerud weder in Oberstdorf noch in Garmisch-Partenkirchen gewonnen hat, liegt er in der Gesamtwertung mit vier Punkten Vorsprung auf den Oberstdorfer Karl Geiger vorn. In der Qualifikation von Innsbruck ließ Granerud die Konkurrenz mit 129 Metern klar hinter sich und unterstrich damit seine Ambitionen. Der Österreicher Daniel Huber (127,5 Meter) als Zweiter und der Pole Dawid Kubacki (128 Meter) als Dritter bewiesen ebenfalls ihre Klasse.

Bei ausnahmsweise hervorragenden Bedingungen auf der Bergiselschanze – kein Föhn, keine böigen Winde – platzierte sich der Tournee-Fünfte Markus Eisenbichler vom TSV Siegsdorf gleich hinter Kubacki mit 127 Metern auf Rang vier. "Ich konnte gleiten und einen schönen Telemark setzen, ich bin richtig zufrieden", sagte er, sieht aber vor dem Wettkampf auch noch Luft nach oben. Vor zwei Jahren hatte der inzwischen 29-Jährige am Bergisel die Weltmeisterschaft von der Großschanze gewonnen.

Karl Geiger wirkt nicht mehr so dominant

Karl Geiger, der Zweite der Tournee-Gesamtwertung und damit nach wie vor größter Hoffnungsträger aus deutscher Sicht, konnte sich nach zwei sehr durchwachsenen Trainingssprüngen immerhin auf 125 Meter steigern. "Dieser Sprung war wichtig", sagte er. Geiger wirkte aber wie schon in Garmisch-Partenkirchen längst nicht mehr so dominant wie bei seinem Auftaktsieg in Oberstdorf.

Erst am Samstagmorgen, also am Tag nach dem Neujahrsspringen, hatte Chefcoach Stefan Horngacher aus Titisee-Neustadt bekannt gegeben, welche sechs Skispringer den Deutschen Ski-Verband (DSV) auch auf den Tournee-Stationen drei und vier in Innsbruck und Bischofshofen vertreten werden. Er nominierte neben den beiden Spitzenspringern Geiger und Eisenbichler wie erwartet Pius Paschke, Martin Hamann, Severin Freund und Constantin Schmid.

Es sind über den Winter hinweg gesehen die stärksten sechs Springer. In der Qualifikation landete Hamann als drittbester DSV-Starter mit 121,5 Metern auf Platz 20. Deutlich dahinter folgten Paschke (35./117,5), Freund (41./115) und Schmid (46./114).

David Siegel kehrt in den Continentalcup zurück

Für Olympiasieger Andreas Wellinger und Richard Freitag hingegen war die Tournee mit dem Neujahrstag schon wieder beendet. Sie waren als Teil der sogenannten nationalen Gruppe in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen an den Start gegangen. Auch der Schwarzwälder David Siegel muss in den zweitklassigen Continentalcup zurückkehren. Der 24-Jährige aus Titisee-Neustadt hatte es auf der Olympiaschanze des SC Partenkirchen nur auf den 45. Platz gebracht und war nach 23 Monaten Weltcup- und Verletzungspause noch nicht wieder in der Lage, sich wie erhofft einen festen Platz in Horngachers A-Kader zu erspringen.

"Wir haben heuer so viele gute Sachen gemacht." Chefcoach Stefan Horngacher
Dasselbe gilt für den 20-jährigen Luca Roth vom SV Meßstetten, der zuletzt in Hinterzarten lebte, nun aber wegen seiner Ausbildung an der Sportschule der Bundespolizei nach Bad Endorf am Chiemsee gezogen sein soll. Roth hatte sich gar nicht erst für das Neujahrsspringen qualifizieren können.

Top-Quote für das Skispringen in der ARD

Bei seiner Pressekonferenz am Samstagmorgen vor der Qualifikation hatte Horngacher noch einmal klar gemacht, dass der erste Gesamtsieg eines deutschen Springers seit Sven Hannawald 2001/2002 nicht das einzige Kriterium sei bei der Frage, wie die 69. Vierschanzentournee in der Summe zu bewerten sein wird. "Wir haben heuer so viele gute Sachen gemacht", sagte er und erinnerte etwa an Karl Geigers Sieg bei der Skiflug-WM im slowenischen Planica Mitte Dezember. "Natürlich ist es ein Ziel, die Tournee zu gewinnen. Aber wenn wir es nicht schaffen, können wir trotzdem erhobenen Hauptes rausgehen", sagte Horngacher.

Die internationale Leistungsdichte sei hoch, da sei es schon ein Erfolg, dass "wir in Oberstdorf den Sieger gestellt haben und bei der Show dabei sind". Es gebe eine Reihe von Konkurrenten, die "ein Wahnsinnsniveau" haben, so der 51-Jährige bei der im Internet übertragenen Pressekonferenz im Teamhotel in Lans.

Auch wenn in Garmisch-Partenkirchen wegen der Corona-Pandemie keine Zuschauer im Olympiastadion selbst zugelassen waren, ist das Interesse am Skispringen in Deutschland ungebrochen groß. Allein die Übertragung in der ARD sahen an Neujahr 7,34 Millionen Menschen, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Angaben des Senders stieg der Marktanteil auf 32,5 Prozent. Das sei am Freitag der Spitzenwert gewesen, so die ARD. Dazu kommen noch die TV-Zuschauer des Senders Eurosport.

In einer Woche wird im Schwarzwald gesprungen

Der Wettkampf am Bergisel beginnt am Sonntag um 13.30 Uhr (ARD und Eurosport). Die Tournee endet am 6. Januar im österreichischen Bischofshofen. Unmittelbar danach reisen die Skispringer in den Schwarzwald. Dort steht vom 8. bis 10. Januar auf der Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt bereits der nächste Weltcup auf dem Programm. Auch hier werden Zuschauer angesichts der Corona-Pandemie nicht zugelassen sein.