Skispringen

Tournee-Spitzenreiter Kamil Stoch aus Polen gewinnt auch die Qualifikation in Bischofshofen

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Di, 05. Januar 2021 um 18:39 Uhr

Skispringen

Der Pole Kamil Stoch entscheidet die Qualifikation für den vierten und letzten Tournee-Wettkampf der Skispringer in Bischofshofen für sich. Markus Eisenbichler wird Achter, Karl Geiger 25.

Der Favorit auf den Gesamtsieg präsentierte sich stark am Dienstag auf der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen. In der Qualifikation für das entscheidende Springen an diesem Mittwoch flog Kamil Stoch auf 138 Meter, setzte einen formvollendeten Telemark, bekam dafür einmal sogar wieder die Haltungsnote 20,0 und scheint nach seinem Sieg in Innsbruck fest entschlossen, zum dritten Mal eine Vierschanzentournee für sich zu entscheiden. "Ich bin heute wirklich froh", sagte er, wiegelte dann aber auch gleich wieder ab: "Morgen ist ein neuer Tag."

Dawid Kubacki aus Polen, die Nummer zwei der Gesamtwertung, sprang auf 134,5 Meter und damit auf Platz sechs. Der Gesamt-Dritte Halvor Egner Granerud aus Norwegen machte deutlich, dass am Wettkampftag noch einmal mit ihm zu rechnen sein wird. Mit 140,5 Metern stand er die größte Weite des Tages, bekam aber nicht ganz so gute Haltungsnoten wie Kamil Stoch und reihte sich noch hinter seinem norwegischen Landsmann Robert Johansson (137 Meter) am Dienstag auf Rang drei ein.

"Innsbruck hat mich doch schon länger angekratzt." Karl Geiger
Der Oberstdorfer Karl Geiger, im Augenblick als Gesamt-Vierter noch bester Tournee-Springer des Deutschen Ski-Verbands (DSV), scheint noch immer mit sich zu hadern. Er ärgerte sich sichtlich nach seinem Sprung auf nur 123,5 Meter und Rang 25 bei allerdings schlechten Bedingungen.

"Der Sprung war nicht sauber vom Absprung", räumte er ein und wirkte wie nach seinem 16. Platz in Innsbruck wieder geknickt. "Innsbruck hat mich doch schon länger angekratzt, das war eine harte Nummer für mich." Auch Chefcoach Stefan Horngacher aus Titisee-Neustadt sah noch viel zu verbessern: "Karls Sprung war ziemlich bescheiden, er war oben zu spät", sagte Horngacher.

Alle sechs DSV-Starter qualifiziert

Markus Eisenbichler aus Siegsdorf sorgte mit 134,5 Metern und Rang acht noch für das beste Ergebnis aus deutscher Sicht. "Es war noch nicht optimal, aber ich komme langsam wieder rein", sagte er. Alle sechs deutschen Skispringer qualifizierten sich für den Wettkampf. Pius Paschke vom WSV Kiefersfelden wurde mit 127,5 Metern 17. Severin Freund vom WSV-DJK Rastbüchl schaffte es mit 127 Metern bei schwierigen Verhältnissen auf Rang 19.

Constantin Schmid vom WSV Oberaudorf sprang auf 123 Meter und wurde damit 30. Martin Hamann von der SG Nickelhütte Aue debütierte auf dem flugschanzenähnlichen Bakken im Salzburger Land mit 122,5 Metern und Rang 34. Schwarzwälder Skispringer waren nicht mehr am Start.

Geiger liegt fast 14 Meter hinter Stoch zurück

Der Titel bei der 69. deutsch-österreichischen Schanzenserie dürfte an einen Polen vergeben sein. Kamil Stoch führt vor dem Wettkampf am Mittwoch mit 15,2 Punkten vor seinem Landsmann Dawid Kubacki, dahinter lauert mit 20,6 Punkten Rückstand noch der norwegische Seriensieger dieses Winters, Halvor Egner Granerud. Erst dann folgen die beiden deutschen Kandidaten. Karl Geiger liegt 24,7 Punkte zurück, das sind umgerechnet fast 14 Meter. Er wird in der Gesamtwertung wohl ebenso wie Markus Eisenbichler (-33,4 Punkte) allenfalls noch den Sprung aufs Podest schaffen können.

Granerud muss sich bei Stoch entschuldigen

Weltcup-Spitzenreiter Granerud hatte nach seinem 15. Platz am Sonntag in Innsbruck für Schlagzeilen gesorgt. Er reagierte beleidigt, zeigte Nerven und stichelte gegen das polnische Team. "Ich habe das Gefühl, dass die Bedingungen die ganze Tournee für die Polen günstig waren", sagte er. "Es war furchtbar nervig, Kamil Stoch wieder gewinnen zu sehen." Stoch und Kubacki hätten "definitiv mehr Glück als ich" gehabt, fügte der 24-Jährige hinzu. Er habe gute Chancen, an beiden Polen in Bischofshofen noch vorbeiziehen zu können: "Kamil ist so instabil, dass es gut gehen sollte."

Noch am Sonntagabend entschuldigte sich Granerud dann allerdings in aller Form. Stoch sei "einer der Größten aller Zeiten", erklärte er in einer Videobotschaft: "Hallo an Kamil und alle, die das sehen. Ich möchte mich für meine heutigen Kommentare entschuldigen." Nach seinem schlechten Ergebnis sei er einfach gefrustet gewesen.

"Endlich aus dem Krankenhaus draußen." Marius Lindvik nach seiner Kiefer-OP
Marius Lindvik, der von starken Zahnschmerzen ausgebremste Tournee-Zweite der Saison 2019/2020, kehrt nach seiner Kiefer-OP an Silvester überraschend schon an diesem Mittwoch wieder in den Wettkampf zurück. Der 22-Jährige aus Norwegen musste die Wettkämpfe in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck auslassen. An Silvester wurde er in einer Innsbrucker Klinik operiert. "Endlich aus dem Krankenhaus draußen", schrieb er auf Instagram: "Nach leichtem Training bin ich bereit, wieder zu springen. Ich freue mich, wieder auf der Schanze zu sein." In der Qualifikation belegte er mit beachtlichen 128 Metern Rang 15.

Am Freitag starten die Springer in Titisee-Neustadt

Der Wettkampf an Dreikönig beginnt um 16.45 Uhr (ZDF und Eurosport). Unmittelbar im Anschluss an die Vierschanzentournee reisen die Skispringer in den Hochschwarzwald. Auf der Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt findet vom 8. bis 10. Januar der nächste Weltcup statt – auch dann wieder ohne Zuschauer.