Nicht ohne Risiko

Trotz Corona-Impfung: Sieben Tipps, die Reiselustige unbedingt beachten sollten

Christoph Jänsch

Von Christoph Jänsch

So, 12. September 2021 um 09:17 Uhr

Reise

Trotz steigender Impfquote bleibt das Reisen riskant – auch wegen der Delta-Variante. Wer dennoch auf Städtetrip, Kreuzfahrt oder eine Fernreise gehen will, sollte einige Dinge bedenken.

Dank steigender Impfquote endlich mal wieder unbesorgt auf Städtetrip, Kreuzfahrt oder eine Fernreise gehen? Das ist derzeit Wunschdenken, sagen Experten. Denn Risiken bleiben, auch aufgrund der Delta-Variante. Sieben Tipps, die Reiselustige unbedingt beachten sollten.

Die Impfung ist der beste Schutz und ein praktischer Helfer

Zunächst eine dringende Empfehlung: "Reisen Sie nicht, wenn Sie nicht geimpft sind", rät der Hamburger Reisemediziner Gerhard Boecken. Die Impfung diene nicht nur dem persönlichen Schutz, sondern verhindere auch, nicht-adäquate oder überlastete Gesundheitssysteme der Gastländer in Anspruch nehmen zu müssen. Oder andere Menschen vor Ort anzustecken.

Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV) in Berlin, sieht in der Impfung einen weiteren Vorteil: Sie erleichtere Touristen das grenzüberschreitende Reisen. Der Impfstatus sei im Zweifel auch vor Ort entscheidend, um Zutritt zu Sehenswürdigkeiten oder Restaurants zu bekommen, sagt Boecken.

Informationen sind trotzdem wichtig

Allein auf den Impfschutz zu vertrauen, reicht nach Ansicht von Experten aber nicht aus. Mirko Jacubowski vom Unternehmen A3M Global Monitoring in Tübingen rät Touristen, sich vor der Reise umfassend zu informieren – über die Inzidenzen im Zielgebiet, über die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sowie über die Bestimmungen vor Ort und bei der Rückreise.

Andere Krankheiten nicht vergessen

Bei der Auswahl des Urlaubsziels gilt es laut Boecken grundsätzlich darauf zu achten, dass vor Ort ein gutes Gesundheitssystem besteht – unabhängig von Corona. Doch gerade wegen der Pandemie sei es noch wichtiger, sich vor der Reise medizinisch beraten zu lassen, um sich nicht zusätzlich mit "reiseassoziierten Erkrankungen" zu infizieren – also den gängigen und weniger gängigen Reisekrankheiten – und somit Hilfe zu benötigen.

Eine gute Reiseversicherung ist Pflicht

Damit eine mögliche Behandlung im außereuropäischen Ausland nicht in den Ruin führt, raten die Experten dringend, gut versichert zu sein. Die Auslandsreisekrankenversicherung sollte dabei auch eine Covid-19-Erkrankung abdecken. Zudem sollte die Police eine Rückholung des Versicherten in "medizinisch sinnvollen" Fällen enthalten – nicht allein in "medizinisch notwendigen", raten Fachleute.

Auch als Geimpfter nicht sorglos sein

Ist das Reisen in der Pandemie risikofrei, wenn Urlauber vollständig geimpft, gut vorbereitet und versichert sind? Natürlich nicht, sagt Gerhard Boecken, der auch stellvertretender Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für Reisemedizin der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit in Hamburg ist. Denn selbst Geimpfte können erkranken. Und selbst wer nicht erkranke, könne Überträger sein – oder als Kontaktperson abgesondert werden.

Daher bleibt die Einhaltung der AHA-Regeln wichtig: Abstand halten, Hygieneregeln beachten und eine Maske tragen, wenn nötig. "Nach wie vor ist es wichtig, dass sich alle Menschen an die Corona-Regeln halten – egal, wo sie sich aufhalten", sagt Torsten Schäfer.

Die Reiseform genau abwägen

Pauschalreise oder Individualurlaub? Mit dem eigenen Auto, dem Bus oder einem Flugzeug in den Urlaub reisen? Hotelurlaub, Rundreise oder Kreuzfahrt? Diese Faktoren machen für die Risikobewertung einen Unterschied, sagt Boecken.

Grundsätzlich sind Pauschalreisende laut Mirko Jacubowski deutlich besser abgesichert als Individualreisende, wenn während des Urlaubs etwas schiefgeht: "Hier stehen die Reiseveranstalter in der Fürsorgepflicht gegenüber ihren Kunden, während Individualreisende sehr oft auf sich alleine gestellt sind." Das gelte auch für etwaige Stornierungen oder Umbuchungen der Reise, sollte etwa eine Reisewarnung für das Zielland ausgesprochen werden.

Flexibilität ist hilfreich

Wer sich trotz der Risiken für einen Urlaub in der Ferne entscheidet, sollte flexibel sein. Zum Beispiel kann es sich auszahlen, eine Unterkunft mit kurzfristiger Storno-Möglichkeit zu buchen. Beliebte Urlaubsländer der Deutschen wie die USA, Australien oder Neuseeland lassen derzeit gar keine Touristen ins Land. "Was konkret möglich sein wird, ist derzeit schwierig vorhersehbar", sagt Torsten Schäfer.
Weitere Infos
Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sind hier aufgeführt. Auch der Reisemanager von A3M kann hilfreich sein.