Die Frage nach der Anrede

ÜBRIGENS: Waren wir nicht beim Du?

Patrik Müller

Von Patrik Müller

Do, 23. Juli 2020

Kolumnen (Sonstige)

Manchmal sind es die kleinen Texte, die große Reaktionen auslösen. Das weiß niemand besser als jemand, der bei einer Tageszeitung arbeitet. Mit seiner Glosse "Das große Ranschmeißen" über den Trend zum Duzen hat der Kollege Gerhard Walser am Samstag jedenfalls einen Volltreffer gelandet. Ungewöhnlich viele Leser haben sich in der Redaktion gemeldet und sich bedankt. "Ein Knaller, den Sie da losgelassen haben", heißt es in einer Mail. "Bitte weiter so", schreibt ein anderer Leser. "Ich befürchte jedoch, dass sie mit dieser Einstellung als altmodisch, auch in der Redaktion, bewertet werden", formuliert er schließlich noch. So ganz richtig ist das nicht: Tatsächlich gibt es in der Redaktion Emmendingen zwar keinen Redakteur, der einen seiner Kollegen siezt. Aber auch wir achten auf Umgangsformen. Bei Menschen, die viel mit anderen Menschen zu tun haben, führt das manchmal zu Irritationen ("Waren wir nicht beim Du, Patrik?"). Vor allem Rockmusiker sind notorische Duzer, im Probenkeller funktioniert Siezen so schlecht wie auf dem Bolzplatz ("Spielen Sie den Ball bitte zu mir!"). Andererseits lagern auf der Festplatte jedes Kollegen respektvolle Mails, in denen er geduzt wird – und respektlose, in denen er als sehr geehrter Herr angesprochen wird ("...ich würde es begrüßen, wenn Sie in Zukunft in Ermangelung eines qualifizierten Redakteurs..."). Nicht nur Betrugsopfer wissen, dass Umgangsformen täuschen können. Die Redaktion bedankt sich jedenfalls für alle Rückmeldungen, für Ihre und für Eure.