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Umfrage der Uni Freiburg zeigt hohe Zustimmung zu Corona-Regeln

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Mi, 20. Mai 2020 um 07:40 Uhr

Deutschland

Gegner der Maßnahmen zur Eindämmung von Sars-CoV-2 erhalten viel Aufmerksamkeit. Doch eine Umfrage der Uni Freiburg zeigt: Eine Mehrheit der Deutschen hält die Corona-Regeln für geeignet.

Die in Deutschland im Kampf gegen das Coronavirus verhängten Einschränkungen des öffentlichen Lebens finden bei einer Mehrheit der Bevölkerung Zustimmung. Das zeigt eine Umfrage, die unter anderem von der Universität Freiburg durchgeführt wurde. 60,6 Prozent der Befragten hielten diese Regeln für geeignet, um die gesundheitlichen Folgen der Epidemie in den Griff zu bekommen.

22 Prozent der Befragten hielten die Regeln für "nicht geeignet"

Die Maßnahmen seien "teils/teils" geeignet, meinten weitere 17,1 Prozent. Zusammengenommen sei dies eine "hohe Akzeptanz" für die staatlichen Entscheidungen, sagte Uwe Wagschal der BZ. Der Politologe von der Universität Freiburg hat die Befragung mit Kollegen aus Stuttgart und München durchgeführt. Für nicht geeignet hielten die Corona-Regeln demnach 22 Prozent der Befragten.

In der Frage der ökonomischen Folgen der Krise und der Hilfsprogramme, mit denen diese aufgefangen werden sollen, zeigten sich die Befragten skeptischer. 34,4 Prozent hielten die Hilfsprogramme für geeignet, 32,9 Prozent für teils und 32,7 Prozent für nicht geeignet. Die Mehrheit der Menschen fühlt sich demnach persönlich nicht von der ökonomischen Krise betroffen: 57,4 Prozent der Befragten gaben an, ihre eigene finanzielle Lage habe sich nicht verändert. Eine Verschlechterung gaben aber 32,6 Prozent an, eine Verbesserung zehn Prozent.

AfD- und FDP-Anhänger halten die Maßnahmen für übertrieben

Die Einschätzung der staatlichen Maßnahmen in der Corona-Krise unterscheidet sich sehr stark danach, welcher politischen Partei ein Befragter zuneigt. 73,5 Prozent der AfD-Anhänger und 51,5 Prozent der FDP-Anhänger halten die Einschränkungen für übertrieben. Bei anderen Parteien sind die Unzufriedenen in der Minderheit. 21,2 Prozent sind es bei der Linken, 14,7 bei den Grünen, 12,2 bei der Union und 11,8 bei der SPD.

Gefragt wurde auch nach der Akzeptanz einzelner Entscheidungen. Grenzschließungen hielten 69,4 Prozent für richtig, die Schließung von Kindergärten und Schulen 66, Kontaktbeschränkungen außerhalb des eigenen Haushalts 64 Prozent. Nur wenig Zustimmung fand die Idee einer Notstandsgesetzgebung ohne parlamentarische Kontrolle. "Bei demokratischen Rechten waren die Befragten sehr sensibel", sagte dazu Uwe Wagschal.
Weitere Informationen: politikpanel.uni-freiburg.de

Durchgeführt wurde die Umfrage vom 7. bis 17. Mai 2020 online im Rahmen des Politikpanel Deutschland, das Wagschal seit der Bundestagswahl 2017 organisiert. Es beteiligten sich 7800 Befragte. Die Antworten wurden nach Alter, Geschlecht oder Wohnort gewichtet, um sie so repräsentativ wie möglich für die Bevölkerung zu machen.
Allgemeine Verhaltensregeln zur Risikoreduktion
  • Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife – mindestens 20 Sekunden.
  • In ein Papiertaschentuch niesen oder husten und dieses danach entsorgen. Und danach Händewaschen!Ist kein Taschentuch griffbereit, in die Armbeuge niesen oder husten.
  • Mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Menschen halten. Umarmungen und Händeschütteln generell unterlassen.
  • Bei grippalen Symptomen unbedingt zu Hause bleiben, um Ansteckung zu vermeiden.
  • Kontakte sollen auf das Notwendigste reduziert werden.
  • Im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen müssen Atemschutzmasken getragen werden.