Ungewiss im Wartestand

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 12. Juli 2020

EHC Freiburg

Eishockey-Zweitligist EHC Freiburg.

Die Vorsaison war gut, der Kader steht. Eigentlich positive Aussichten. Doch durch die Corona-Pandemie erlebt Eishockey-Zweitligist EHC Freiburg einen Sommer voller Fragezeichen. Wann die neue Saison startet, ist ungewiss.

Knapp zwei Flugstunden von seiner sportlichen Heimat entfernt sitzt Peter Russell, der Cheftrainer des DEL2-Clubs EHC Freiburg, im Südwesten Englands sprichwörtlich auf heißen Kohlen. "Ich kann es kaum erwarten, dass es wieder losgeht", sagt der 46-Jährige.

In seiner britischen Heimat Swindon ist das Leben mit seiner Familie durch die anhaltenden Kontaktbeschränkungen auf wenige Aktivitäten beschränkt. "Es passiert nicht viel, wir konnten nicht einmal unsere Verwandten hier in England besuchen."

Viel hat der über die Sommerpause normalerweise als englischer Nationaltrainer tätige EHC-Coach sich daher zuletzt nicht mit Eishockey beschäftigen können. Ein paar Zoom-Telefonate mit dem zukünftigen Team hier, zu Gast bei verschiedenen Eishockey-Podcasts dort, Videostudium und Planungen ins Ungewisse – für den eishockey-verrückten Cheftrainer waren es ungewöhnlich ruhige Wochen. Russell, der auf den Start mit seinen Eishockey-Cracks brennt, hängt in der Luft.

Beginnt die Saison erst im Oktober?

Denn noch ist ungewiss, wann genau die kommende Saison startet. "Lange hatte die Liga kommuniziert, dass man am Start im September festhalten wolle, jetzt schwanken die Prognosen zwischen Anfang und Ende Oktober", erklärt der Wölfe-Vorsitzende Werner Karlin. Die Krux an der ganzen Sache: "Für Eishockey kommen Spiele ohne Zuschauer nicht in Frage", erklärt Karlin und unterstreicht: "Im Ligaschnitt machen die Zuschauererlöse zwischen 50 und 60 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Ein Verlust wäre nicht zu kompensieren."

Daher arbeiten die Verantwortlichen der DEL2-Clubs derzeit unter Hochdruck an einem tragfähigen Konzept, wie man eine Saison samt Zuschauern und einem möglichst umfassenden Hygienekonzept organisieren könnte. "Das aber ist eine große Herausforderung", sagt der Vorsitzende.

Zumal sich die Qualität der Eishallen an den 14 Standorten extrem unterscheidet. Einerseits gibt es Teams, die über moderne Anlagen verfügen, wie Dresden oder Kaufbeuren. Andererseits müssen sich Clubs wie Freiburg mit Arenen älteren Baujahrs herumschlagen. Und dann gebe es da noch Vereine, die in offenen Hallen spielen, so wie Bayreuth.

"Bei uns kommt erschwerend hinzu, dass wir zwei getrennte Hallenabschnitte haben und keinen Rundgang", sagt Karlin. Das erschwert einen Zuschauerbetrieb, bei dem sich die Fans wenig in die Quere kommen, da Ein- und Ausgang auf derselben Seite liegen. Überhaupt steckt bei der Planung der Corona-Saison der Teufel im Detail: Welche Speisen dürfen hygienekonform verkauft werden, wie weit müssen die Tische im VIP-Bereich auseinanderstehen? Personifizierte Karten, Zuschauer mit Mundschutz und Einlass nur mit Corona-App? "Es müssen unglaublich viele Fragen geklärt werden", betont Karlin. Aufgrund der zahlreichen Unwägbarkeiten haben sich die Wölfe entschieden, das Eis nicht wie sonst zum 1. August, sondern erst im September zu eröffnen. "Mit der Vorbereitung werden wir uns also noch gedulden müssen", seufzt Trainer Russell, der eigentlich zufrieden sein könnte.

Seine erste Saison in Freiburg war geprägt von Superlativen. Mit begeisterndem Defensiv-Eishockey im Dauerlaufmodus hat er den zuvor abstiegsgefährdeten Club in die Top Drei der Liga geführt. Attackieren übers ganze Eis nennt das der Nationaltrainer. "So wollen wir auch kommendes Jahr agieren", sagt Russell, der aber betont: "Uns wird nichts geschenkt werden. Freiburg hat jetzt jeder auf dem Schirm."

Vom SERC sollen wieder Leihspieler kommen

Da kommt es nur gelegen, dass ein flottes Quartett die Breisgauer verstärken wird. Der 18-jährige Luis Ludin soll offensiv wirbeln, der 24-jährige Hagen Kaisler wechselt von der DEL2-Konkurrenz Crimmitschau in den Breisgau. Und von den Tölzer Löwen kommt das 22-jährige Talent Christoph Kiefersauer. Zudem laufen Gespräche über potentielle Leihspieler mit den Verantwortlichen des DEL-Erstligaclubs Schwenninger Wild Wings.

Die Verpflichtung von Jordan George indes ist ein echter Coup. Der 29-Jährige wechselt aus der Lausitz an die Dreisam. Mit 30 Toren und 29 Vorlagen war er bei den Lausitzer Füchsen in der abgelaufenen Saison zweitbester Punktesammler der Staffel. "Wir werden ein gutes Team haben", ist sich Russell daher sicher und verspricht: "Sobald wir dürfen, werden wir hart arbeiten." Wie gesagt: Peter Russell sitzt daheim in England auf heißen Kohlen.