"Uns droht ein Engpass"

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Sa, 06. Juli 2019

Pfaffenweiler

BZ-INTERVIEW mit Stefanie Fritzsche vom Blutspendedienst des Roten Kreuzes / In der heißen Woche Ende Juni gingen die Spenden um bis zu 26 Prozent zurück.

Wer Blut spendet, kann Leben retten. Damit wirbt der Blutspendedienst des Roten Kreuzes. Jannik Jürgens hat Stefanie Fritzsche gefragt, warum man Blut nicht lagern kann.

BZ: Frau Fritzsche, wie stark sind die Blutspenden in den vergangenen Wochen zurückgegangen?

Fritzsche: Bedingt durch die Hitze ist in der letzten Juniwoche ein sehr großer Einbruch bei den Blutspenden dagewesen. Wir hatten zum Beispiel an dem sehr heißen Mittwoch einen Rückgang von 26 Prozent. Am Freitag gingen die Spenden um 25 Prozent zurück. So war das eigentlich die ganze Woche. Insgesamt waren es 20 Prozent weniger Spenden, als wir eigentlich benötigen. Das ist schon eine sehr hohe Zahl an Spenden, die für die Versorgung fehlen. Zumal das Sommerwetter ja bleibt. Das ist tatsächlich ein bisschen kritisch.



BZ: Ist es gefährlich, bei der Hitze Blut zu spenden?
Fritzsche: Nein. Man kann auch bei über 30 Grad ohne Probleme spenden. Aber man muss natürlich wesentlich mehr trinken. Wir empfehlen mindestens drei Liter Wasser. Und dann ist es unbedenklich. Klar wird es den einen oder anderen geben, der generell mit der Hitze seine Probleme hat. Aber ich gehe davon aus, dass es noch genug andere Menschen gibt, die spenden können. Dazu kommt: In Hessen haben wir jetzt schon Sommerferien und in Baden-Württemberg beginnen sie bald. Viele sind dann im Urlaub.

BZ: In dieser Zeit gehen die Blutspenden ohnehin zurück?
Fritzsche: Ganz genau. Wenn Hitze und Sommerferien zusammenkommen, droht uns einfach ein Engpass.

BZ: Warum muss überhaupt regelmäßig Blut gespendet werden? Kann man Blut nicht lagern?
Fritzsche: Man kann Blut zwar lagern, aber nicht über einen längeren Zeitraum. Eine Blutspende besteht aus 500 Millilitern sogenanntem Vollblut. Wir trennen es in die drei Bestandteile auf. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Bestandteile bei unterschiedlichen Temperaturen gelagert werden müssen. Und zum anderen kann so drei unterschiedlichen Patienten geholfen werden.

BZ: In welche Bestandteile trennen sie das Blut?
Fritzsche: Wir trennen in rote Blutkörperchen, Erythrozyten und in Blutplättchen, Thrombozyten. Und ins Plasma. Die Krux ist: Diese Bestandteile sind unterschiedlich lange haltbar. Die Blutplättchen sind zum Beispiel nur vier bis maximal fünf Tage haltbar, die roten Blutkörperchen maximal 42 Tage. Von daher ist es nicht möglich, dass wir vor dem Sommer oder vor Weihnachten, wenn wir wissen, dass es mit der Versorgung enger wird, einfach Blut einlagern. Der Bedarf an Blut ist außerdem vom Wetter unabhängig gleichbleibend. Das wird allein schon daran deutlich, dass ein Fünftel des Blutes für die Krebstherapie eingesetzt wird. Kleine Schwankungen können entstehen, wenn viele Unfälle passieren. Aber im Großen und Ganzen bleibt es bei den 1700 Blutspenden, die wir in Baden-Württemberg pro Tag brauchen.

BZ: Was passiert, wenn nicht genügend Blut da ist?

Fritzsche: Wir würden die Kollegen aus Rheinland-Pfalz oder Bayern bitten, uns mit Blutkonserven auszuhelfen, so dass die Notfallversorgung abgedeckt ist. Wenn die nicht helfen können, könnten wir im schlimmsten Fall nicht die vollumfängliche Menge an Blutpräparaten an die Krankenhäuser liefern. Dort würden dann geplante, nicht lebensbedrohliche Eingriffe verschoben werden.

BZ: Wofür werden die Blutplättchen, die sich nur kurz lagern lassen, gebraucht?
Fritzsche: Die sind unter anderem für die Wundverschließung da. Das sind diese kleinen Plättchen, die an der Wunde haften und diese verschließen. Und bei der Blutgerinnung spielen sie auch eine Rolle.

BZ: Warum sind Blutspenden so wichtig?
Fritzsche: Blut ist nicht künstlich herstellbar. Bei allem medizinischen Fortschritt brauchen wir Menschen, die sich auf eine Liege legen und Blut spenden. Daran führt einfach kein Weg vorbei. Außerdem brauchen wir das Blut täglich. Deswegen bitten wir nach wie vor um Blutspenden, damit auch alle Patienten versorgt werden können. Wir gehen heute ins Krankenhaus und erwarten, dass das Blut da ist, wenn wir es brauchen. Aber wenn vorher nicht genügend Freiwillige gespendet haben, auch bei 35 Grad, dann ist es eben nicht da. Blutspenden sind etwas, was uns alle angeht.

BZ: Wie viele Leute spenden überhaupt Blut?
Fritzsche: In Deutschland sind es rund 3,5 Prozent der Bevölkerung, die Blut spenden. In Baden-Württemberg sogar etwas mehr: Hier sind es 3,8 Prozent. Von daher ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Es gibt noch genügend Menschen, die noch nie Blutspenden waren. Vielleicht wäre jetzt im Sommer die Gelegenheit, das auszuprobieren und damit anzufangen.

Stefanie Fritzsche ist seit 2010 verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit beim DRK-Blutspendedienst. Der Dienst sammelt Spenden und versorgt etwa 90 Prozent der Krankenhäuser in Baden-Württemberg und Hessen mit Blut.

Die nächsten Blutspende-Termine: Am 16. Juli von 14 bis 19 Uhr bei der Firma Testo in Kirchzarten, Gewerbestraße 3. Am 25. Juli von 14.30 bis 19.30 Uhr in der Winzergenossenschaft Oberbergen in Vogtsburg, Badbergstraße 2. Am 1. August von 14.30 bis 19 Uhr in Buchenbach in der Sommerberghalle, Schulstraße 9. An der Uni-Klinik in Freiburg kann täglich gespendet werden.