Corona-Politik

Unsere Politiker streiten und warten ab

Franz Daschner

Von Franz Daschner (Freiburg)

Fr, 30. April 2021

Leserbriefe

Zu: "Spahn: Nicht länger warten", Agenturbeitrag (Politik, 16. April)

Langsam, aber sicher haben wir alle die Schnauze voll. Der Gesundheitsminister und der Chef des Robert-Koch-Instituts mahnen täglich fast schon flehentlich schärfere Maßnahmen an. Was tun unsere Politiker bei hunderten von Todesfällen täglich, die durch härtere Maßnahmen nachweislich reduziert werden können? Sie streiten und warten ab. Unsere Kanzlerin denkt nach, eine Woche, eine zweite Woche.

Das neue Infektionsschutzgesetz wurde schon zerredet, als es noch gar nicht in Kraft war. Es dauerte dann noch eine Woche, bis es in Kraft treten konnte, während weiterhin täglich hunderte von Patienten gestorben sind. Am Tod derer – der durch härtere Maßnahmen hätte verhindert werden können – sind also unsere Politiker schuld, so einfach ist das. Es ist ihnen aber offensichtlich egal, sie streiten lieber über Kanzlerkandidaten.

Noch etwas ärgert wahrscheinlich nicht nur mich: Warum können im bei entsprechender Inzidenz zu erwartenden harten Lockdown geimpfte Großeltern nicht die Enkel besuchen? Warum können Geimpfte und negativ Getestete nicht im Hotel übernachten oder Essen gehen oder in die Muckibude oder gar ins Thermalbad, wenn es eine gut organisierte Zugangsbeschränkung gibt, die in Freiburg bei der zweiten Welle bestens funktioniert hat? Ich versteh’s nicht und mit mir sicher viele Freiburger, die über viele Monate die Inzidenzrate unter 100 halten konnten. Franz Daschner, Freiburg