UNTERM STRICH: Auf den Hund gekommen

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Mi, 13. Januar 2021

Unterm Strich

Wie eine Kanadierin die Corona-Ausgangssperre umgehen wollte / Von Dominik Bloedner.

Man muss schon tierisch gut drauf sein, um bei dem Hundewetter dieser Tage vor die Türe zu gehen. Ohnehin beschränkt das Coronavirus, dieser blöde Hund, den Freiheitsdrang erheblich und zwingt erwachsene Menschen, spätestens um 20 Uhr brav zu Hause vor der Tagesschau zu sitzen, um sich anzuschauen, wie langsam alles vor die Hunde geht. Was bei manchen dann trotzdem für Freude sorgt, das sind Schwanzwedeln und Dackelblick, allerdings nicht von den zweibeinigen, sondern von den vierbeinigen Mitbewohnern und Mitbewohnerinnen: Mit Max oder Susi, das sind allen Ernstes zwei der derzeit beliebtesten Hundenamen, noch einmal an die Luft. Ohne Bußgeld.

Womit wir unseren Blick nun ins ebenfalls stürmische und regnerische Kanada, genauer in die 150 Kilometer östlich von Montréal gelegene Stadt Sherbrooke richten, wo man zwar nicht die Tagesschau schaut, aber wegen der Ausgangssperre ebenfalls um 20 Uhr zu Hause sein muss – es sei denn, man kommt auf den Hund.

Oder erfindet sich einen. So wie unlängst jene Nachtspaziergängerin, die die kanadischen Ordnungshüter einfangen mussten, wie die Kollegen der Nachrichtenagentur AFP zu berichten wissen. Sie sagte mit ernster Miene, sie gehe Gassi mit ihrem Hund – doch an der Leine, da war nur ein Mann, vielleicht ein Max, keinesfalls aber eine Susi. Was wiederum etliche Fragen aufwirft. Hat der vierbeinige Zweibeiner gebellt, hat er gebissen, hat er pflichtschuldig das Bein am Laternenpfahl gehoben, hat er andere Hunde beschnuppert oder wollte er nur spielen? Und wie hätten die Beamten, die zwar wissen, dass viele Frauen sich einen Mann als Haustier halten, reagiert, wenn statt eines Max eine Susi da an der Leine gehangen hätte?

Sie taten jedenfalls, was sie tun mussten, auch wenn die in Sachen Infektionsschutz recht uneinsichtige Dame das wohl hundsgemein fand: Sie verhängten ein Bußgeld in Höhe von umgerechnet 967 Euro. Das entspricht rund 500 Dosen handelsüblichen Hundefutters.