UNTERM STRICH: Aufrechter Reinfall

René Zipperlen

Von René Zipperlen

Sa, 27. Juni 2020

Unterm Strich

Segway-Roller sollten unser Leben besser machen – aus der Traum / Von René Zipperlen.

Vielleicht muss man am Ende eingestehen, dass eigentlich nie jemand wusste, wozu die Dinger gut sein sollten: Diese Elektro-Stehroller namens Segway, die 2001 antraten, unsere Mobilität zu revolutionieren und Autos aus den Städten zu verjagen. So hat das der inzwischen verstorbene Apple-Guru Steve Jobs bejubelt. Jedenfalls hat der Hersteller ein Einsehen: Am 15. Juli ist Schluss mit der Produktion – mehr als 50 000 wurden angeblich nicht verkauft. Die Segways wirkten, als habe ein verwöhntes Kind einen Ingenieur erpresst, ihm einen Jux aus einem Sci-Fi-Film nachzubauen. Und mit Hilfe gerissener Marketingtools dafür gesorgt, dass möglichst viele darauf reinfallen.

Die Niedertracht der Segways fängt schon damit an, dass niemand weiß, wie man sie ausspricht: mit weichem "g" wie in Seggl oder doch einfach Seddsch? Falsch klingt beides und falsch sieht es drum auch aus, wenn sich Touristentrupps im Kaiserstuhl oder rund um Freiburger Hotspots mit guter Miene an ihre Stangen klammern und hoffen, dass die Stehroller wirklich wissen, dass sie sich von selbst aufrecht halten. Immer. Also fast. 2010 warf ein bockender Rollerprototyp den Firmenbesitzer an einer Klippe ab. Die Ausfahrt endete tödlich.

Gewiss: Models in engen Manageranzügen machen auf dem Segway schon was her. Und wenn Uniformierte über Flughafengänge sausen, ist das so einschüchternd wie eine Cyborg-Patrouille. Normale Polizisten wirken dagegen, als hätte man ihnen die Pferde gestohlen. Freiburgs Spitzbuben lernten auch schnell, dass schon eine Gehwegkante reicht, um die wilde Hatz mit der Segway-Brigade jäh zu stoppen. Gerüchte, nach denen die Stadt unter Bewerbermangel leidet, weil viele einen Einsatz auf dem Superroller fürchteten, blieben jedoch unbestätigt.

Was also bleibt vom Versprechen des Segway, die Städte aus dem Würgegriff des Autos zu befreien? Es war einmal ein Verkehrsminister, der es ganz genau wusste. Er fuhr im Büro gerne Elektro-Scooter. Vielleicht tut er das noch heute.