UNTERM STRICH: Babyspeck und Hausarbeit

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Sa, 07. März 2020

Unterm Strich

Elternstress macht dick – sagen kanadische Wissenschaftler / Von Franz Schmider.

Babyspeck, informiert uns das Onlinelexikon Wikipedia, bezeichnet umgangssprachlich die Tatsache, dass Säuglinge einen besonders hohen Anteil an Körperfett aufweisen. Und um das zu veranschaulichen, wird der Körperfettanteil eines Neugeborenen mit dem der Sattelrobbe verglichen – der Mensch liegt drüber. Was uns das sagen soll? Das versteht wohl nur, wer eine Sattelrobbe als Haustier hält.

Womit wir im Haushalt wären und zum Beispiel bei der Frage, wer den Auslauf zum Beispiel der Sattelrobbe in Ordnung hält oder das Futter besorgt. Und was für Sattelrobben gilt, gilt natürlich auch für die eigene Brut, vom Baby mit Speck angefangen bis zu dem, was die Eltern so jeden Tag im Haushalt anrichten und was ebenfalls einer gewissen Fürsorge beziehungsweise Nachbearbeitung bedarf, allgemein als Hausarbeit bekannt. Über deren Verrichtung und Verteilung soll es hier und dort – sagen wir – unterschiedliche Vorstellungen geben.

Um die Diskussion zu versachlichen haben Wissenschaftler in Ontario, Kanada, nun 70 Familien vermessen. Im wörtlichen Sinn. Bei Männern wie Frauen wurde der Bauchumfang gemessen, der Body-Mass-Index errechnet und der prozentuale Körperfettanteil ermittelt. Parallel wurde das allgemeine Stresslevel festgehalten. Und siehe da: Wer viel Stress hat, legt an der Hüfte zu. Speziell Hausarbeit soll ein ganz schlimmer Stressfaktor sein. Umgangssprachlich formuliert: Elternstress macht dick, sie bekommen Babyspeck. Und zwar auch die Kinder.

Wer also künftig die Aufforderung vernimmt: "Liebling, kannst du mal das Bad putzen?", könnte ganz entspannt antworten: "Schatz, willst du ein Pummelchen an deiner Seite?" Als Antwort auf derartige Ignoranz sei erneut auf Wikipedia verwiesen. Demnach dient der Babyspeck entwicklungsgeschichtlich dem energiezehrenden Wachstum des Gehirns. Ein bisschen Zuwachs um die Hüfte ist also nicht zu verachten – sofern dieser dann dafür eingesetzt wird, oben zu reifen.