UNTERM STRICH: Bemerkenswerte Bräune

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Mi, 29. Juli 2020

Unterm Strich

Warum die Manipulation des Teints ihre Tücken hat / Von Martina Philipp.

Krisenfestigkeit zeigt sich im Ideenreichtum. Was tun, wenn dieses Jahr der Urlaub auf Rhodos ausfällt, und man nicht binnen 14 Tagen, die man in stabiler Rückenlage am Pool verbringen wollte, einen wohldosierten Sonnenbrand in einen Zartbitterschokoladen-Teint verwandeln kann? Dann greifen wir eben zum Selbstbräuner, scheint sich ein Haufen Deutscher zu denken. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz der Farbsoßen laut Marktforschungsunternehmen Nielsen um immerhin 13 Prozent.

Das Problem des Maßhaltens ist damit gleichwohl nicht gelöst. Kelsey Chambers aus dem englischen Newcastle kann ein bisschen was davon erzählen. Chambers ist 19, blass und vom Fach. Mehrmals die Woche benutzt sie Selbstbräuner, weil die Klamotten dann besser an ihr aussehen, erzählte sie The Sun. Im Mai entschied sie sich jedoch für einen Farbton, der "Darker than dark" hieß – dunkler als dunkel. Nach der Einwirkzeit sah sie aus wie manche von uns, die als Kind den "People of Colour"-Vertreter bei den Sternsingern, sprich Melchior, verkörperten. Um die Farbe abzubekommen, badete Kelsey Chambers letztlich in Bleiche. Danach war sie wieder blass; bis auf die Stellen, die Verbrennungen erlitten.

Drum prüfe, wer sich vorübergehend selbstbräunen möchte. Kenner wissen, dass Hornhaut an den Gelenken besonders gut Farbe aufnimmt. Da bitte erst ein Peeling machen, dann sparsam dosieren, andernfalls das Knie mit Zitronensaft schrubbeln. Lange sollte man Selbstbräuner bei Wärme übrigens nicht sich selbst überlassen. Sonst entsteht Formaldehyd. Das gilt als krebserregend. Geringe Spuren davon fand Öko-Test dieses Jahr wieder in etlichen Selbstbräunern.

Das Problem könnte sich aktuell von selbst erledigen. Wenn wir alle weiter so rumschlampern mit dem Virenschutz, ist bald Maskentragen allüberall angesagt. Dann kann man sich den Selbstbräuner sparen. Das Piercing. Das Rasieren. Krisenfestigkeit zeigt sich übrigens auch im Schönreden der Situation.