UNTERM STRICH: Bloß nicht ins Schwitzen geraten

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Fr, 20. November 2020

Unterm Strich

Von der Sorge, nach sportlicher Aktivität nicht arbeiten zu dürfen / Von Frank Zimmermann.

Wir wollen nicht jammern, aber auch für uns Journalisten sind Corona-Zeiten nicht einfach. Wir können kaum noch für Recherchen reisen. Wir können unsere Gesprächspartner nicht oder nur sehr eingeschränkt treffen, obgleich doch bei manch heiklem Thema das persönliche Gespräch hilfreich wäre. Statt Pressekonferenzen gibt es Videoschalten – die mitunter von minderer Qualität sind. Einem Kollegen gelang es nicht, warum auch immer, sich online in eine einzuloggen. Er musste Plan B wählen und sich per Telefon zuschalten – um dann festzustellen, dass fast alles auf Französisch gesprochen wurde, die Simultanübersetzung aber nur online und nicht übers Telefon funktionierte. Da er begrenzt des Französischen mächtig ist, bleibt ihm nun nur, Teilnehmern einzeln hinterherzutelefonieren.

Am Gericht in Konstanz war der Saal unlängst beim Eintreffen des Journalisten schon so voll, dass dieser, um im Raum bleiben zu dürfen, auf der leeren Anklagebank Platz nehmen musste, wo er sich den Blicken aller ausgesetzt sah.

Jüngst die nächste Hürde vor einem Freiburger Gerichtssaal: Der gehetzte Reporter, unruhig, ob er noch einen Platz bekommt, drängelt sich, den Presseausweis wedelnd, durch eine Schlange Wartender. Bis ihm ein Justizbeamter ein pistolenartiges Gerät an die Stirn hält. Es piepst. "Sie haben erhöhte Temperatur", lässt der Uniformierte ihn wissen, Einlass verboten. Der Journalist, vom schnellen Radeln am Schwitzen, beginnt noch mehr zu schwitzen. Da liegt das Problem: Wer schwitzt, hat erhöhte Temperatur.

Also Anorak aus und warten. Zweiter Messversuch, immer noch "Fieber". Im Saal beginnt der Prozess. Der Journalist versucht, abzukühlen – sein genervtes Mütchen, aber vor allem seine Temperatur. Pullover aus, Ärmel hoch. Wär doch gelacht, da einen im alten Gerichtsgemäuer sonst immer fröstelt. Dann endlich, es klappt. Doch – oh weh – der Journalist stellt fest, er ist im falschen Saal. Also auf ein Neues, aber nur nicht aufregen, denn wer sich aufregt, schwitzt...