UNTERM STRICH: Cooler Luftschnappen

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Do, 05. März 2020

Kolumnen (Sonstige)

Wie sich mit ein paar Tricks eine öde Freizeit aufwerten lässt / Von Stefan Hupka.

Freizeit ist betriebswirtschaftlich gesehen reiner Unsinn, wie jeder Arbeitgeber bestätigen wird. Für sie spricht allenfalls die Erwartung, dass der Arbeitnehmer aus der Freizeit gesünder und motivierter an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, als er ihn verlassen hat. Pflichtbewusste Arbeitnehmer, von denen es übrigens mehr gibt, als manche Vorstandsetage für möglich hält, haben sich diese Sicht längst zu eigen gemacht. Das lässt sich an der Vielzahl von Vorschlägen erkennen, wie man dem Unsinn der Freizeit doch noch einen Sinn geben kann. Sinn kommt mit Sprache. Und da das fleißige Volk der Deutschen beim Gedanken an Freizeit schon immer ein schlechtes Gewissen hat, klappt das am besten mit Englisch. Das hat in dieser Hinsicht irgendwie mehr credibility. Der Trick heißt Framing, damit lässt sich noch das trivialste Tun oder Lassen mit Bedeutung aufblasen.

So erntet man mit seinem vielleicht peinlichen Bedürfnis nach einem Nickerchen mehr Respekt, wenn man sich zum Power Napping zurückzieht. Grundbewegungsarten wie Wandern oder Laufen werden als Trekking oder Jogging erst richtig geadelt. Stubenhocker kommen sich beim Homing nicht mehr so verhockt vor. Und mit River Rafting lässt sich mehr Geld verdienen als mit Flusspaddeln. Doch beherrscht das Marketing keiner so vollendet wie der Bürgermeister des bayerischen Kurorts Bad Hausen, mit dem der Kabarettist Gerhard Polt sein Publikum bekannt gemacht hat. Dessen touristisches Angebot reicht von Mushroom Searching über Fresh Air Snapping bis zum Weißwurscht-Zutzeling.

Apropos Mushrooms: Das Suchen von Pilzen, Beeren oder Kräutern nicht beim Shoppen im Supermarkt, sondern in Gottes freier Natur, heißt heute Foraging. Wenn man Trendmagazinen glauben will. Es ist für den modernen Stadtmenschen nicht ganz ungefährlich, man denke an Ähnlichkeiten von Bärlauch mit Maiglöckchen. Aber es hört sich nach sinnvollem Freizeittun an – schon deshalb, weil es Stoff ist für manches Story Telling.