UNTERM STRICH: Das kann man doch noch brauchen

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Fr, 24. September 2021

Unterm Strich

Mit Recycling werden manche reich, andere landen in Haft / Von Ronny Gert Bürckholdt.

Jeder geschäftstüchtige Koch mit eigenem Restaurant weiß, dass Reste Gold wert sind. Aus Rinderknochen lässt sich feinste Suppe machen, die nur noch mit Flädle garniert gehört. Die Röstaromen von Zwiebelstielen, Karottenspitzen und dem verwachsenen Teil des Knollenselleries verschmelzen zu leckerem Gemüsesud. Bloß nichts wegwerfen, was bei der Zubereitung der Speisen anfällt! Denn was im Abfall landet, ist nichts anderes als der entgangene Gewinn des Kochs.

Diese Logik braucht man auch den 35 000 Mitarbeitern allein bei den privaten deutschen Recyclingfirmen nicht zu erklären, die ihre Arbeitsplätze dem florierenden Handel mit Altmetall und allen anderen Dingen verdanken, die man irgendwann, irgendwie noch brauchen kann. Oder der italienischen Mafia, die seit jeher dick drin ist im Müllgeschäft.

Inspiriert von solch’ lukrativen Ausbrüchen aus der Wegwerfgesellschaft war offenkundig auch ein heute 41 Jahre alter Mitarbeiter von Osram in Regensburg. Dort werden Chips für die Autoindustrie gefertigt und dabei fällt ein besonderer Rest an beziehungsweise ab: Späne aus purem Gold. Der Mann kam auf die Idee, diese einer besonderen Form des Recyclings zuzuführen. Er schmuggelte sie über Jahre am Körper aus der Firma – mindestens 360 Mal. Da kam was zusammen: 67 Kilo im Wert von 2,3 Millionen Euro.

Das melden Ermittler, die dem Langfinger auf die Spur kamen und ihn angeklagt haben. In Russland war er verhaftet worden, nachdem er sich zwischenzeitlich dorthin abgesetzt hatte. Nach seiner Auslieferung wartet der Geständige nun auf seinen Prozess. Denn Osram wollte die güldenen Reste – im Stile eines guten Kochs – eigentlich gern selbst verwerten.

Doch Osram wird die wertvollen Überbleibsel aus seinen Werkshallen wohl nie wiedersehen. Der Verdächtige soll sein Vermögen gleich ausgegeben haben. Laut Staatsanwaltschaft kaufte er sich dafür was zum Kiffen. Er habe pro Kilo Marihuana mit einem Kilo Goldspänen bezahlt. Was für eine Verschwendung!