UNTERM STRICH: Der Fettkloß von London

Niklas Arnegger

Von Niklas Arnegger

Sa, 20. Februar 2021

Unterm Strich

Sauerei oder Kunstwerk? Das ist hier die Frage / Von Niklas Arnegger .

Haben Sie gefrühstückt? Und sind Sie psychisch gefestigt? Wenn nicht, bitte umblättern. Nun denn: Aus der Kanalisation von London wurde ein riesiger Kloß aus Abfall entfernt. Er bestand aus Fetten, Feuchttüchern, Binden und Windeln, war hart und schwer wie ein kleines Haus und roch, wie Beobachter melden "nach Festivaltoilette und verfaultem Fleisch".

Nun, die Briten sind derlei gewohnt. Vor zwei Jahren wurde in Sidmouth ein 64 Meter langer Fettklumpen entfernt, und in London war der Kloß des Jahres 2017 mehr als 250 Meter lang und 130 Tonnen schwer. Damit verglichen war der Klumpen von 2010 mit bloß 15 Tonnen von der zierlicheren Sorte.

Nun flehen die Wasserwerke dort, bitte, bitte bloß die drei Ps "pee, poo and paper" ins Klo zu spülen. (Für Menschen, die des Englischen nur rudimentär mächtig sind: Pee, Poo and Paper sind genau die Stoffe, die sich jeder ausmalen kann.)

Natürlich kommt die Misere daher, dass sich die Briten nur von fetten Würstchen, Bacon und Fish ’n’ Chips ernähren und die Reste durchs Klo schicken. Vor allem jetzt, da sie auf sich selbst zurückgeworfen sind und sich vom Kontinent und dessen merkwürdigen Nahrungsmitteln (Knoblauch!) verabschiedet haben.

Auch in Deutschland warnte der Verband kommunaler Unternehmen vor verstopften Abflussrohren – während der nationalen Klopapierkrise im März/April 2020. Der Verband fürchtete, ein von klopapiersensiblen Menschen herbeigeführter Mangel an Papier könnte dazu führen, dass andere, ungeeignete Stoffe durch die Schüssel flutschen könnten. Dieser Kelch aber rauschte dann an uns vorüber.

Allerdings ist nach unseren Informationen der Fettberg von London gar kein solcher, sondern ein Kunstwerk. Dahinter steckt der Schauspieler und Schriftsteller Hermes Phettberg, der vor 25 Jahren mit der "Phettbergs Nette Leit Show" Wien und überhaupt die Österreicher narrisch machte und nun an seinem Comeback arbeitet. Ganz im Sinne Schillers: Ernst ist das Leben, heiter ist das Fett.