UNTERM STRICH: Des Kindes bester Freund

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Do, 10. September 2020

Kolumnen (Sonstige)

Der Teddybär hat mehr Aufmerksamkeit verdient / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

Die Medienwelt feiert ständig Geburtstage längst verstorbener Menschen oder gedenkt irgendwelcher historischer Ereignisse. Zudem erinnern wir am Tag des Hirschkäfers an den Hirschkäfer, am Tag des Sellerie an den Sellerie, am Tag des Implantats an das Implantat. Jeder Tag im Jahr ist belegt mit irgendeinem Gedenken. Wir erinnern sogar an Krankheiten wie die Demenz, vergessen aber den beliebtesten Seelentröster der Welt zu würdigen, obwohl auch dieser seinen Gedenktag hat. Am gestrigen Mittwoch war nämlich der "Tag des Teddybären".

Aber so ist der Mensch halt. Undank ist der Welten Lohn. Jahrelang hat der Teddybär viele von uns in der Kindheit getröstet, hat uns in dunklen Nächten Geborgenheit gegeben, hat uns als Einziger immer verstanden. Doch vergeblich hielten wir gestern in der umtriebigen Nachrichtenwelt, in der sonst jeder Mist seine User und Follower findet, Ausschau auf Lobreden, Würdigungen oder Gedenkveranstaltungen für den flauschig-treuen Wegbegleiter der ersten Jahre. Wenigstens wir wollen das nun nachholen.

Um die große Bedeutung des Teddybären für das kindliche (und elterliche) Seelenheil zu ermessen, brauchen wir erst gar nicht groß sentimental zu werden, sondern lassen eine Umfrage sprechen. Der Ferienanbieter FeWo-direkt hat 1000 Eltern zum Thema Kuscheltier befragen lassen. 98 Prozent aller Eltern sagten, dass es wichtig sei, bei der Fahrt in den Urlaub das Lieblingskuscheltier – Nummer 1 ist klar der Teddy – mit an Bord zu haben. Und wehe, es geht verloren! Fast die Hälfte der Eltern gab an, dass verlorene Kuscheltiere schon mal den Urlaub ruiniert hätten. Mehr als 40 Prozent standen deshalb kurz davor, den Urlaub abzubrechen. Und 41 Prozent sagten, dass sie lieber durchgehend mieses Wetter ertragen würden, als dass der Teddybär oder ein vergleichbares Tierchen des kindlichen Vertrauens verloren ginge. Aus alledem lässt sich die Lehre ziehen: Wenn der Teddy nicht mehr brummt, das Kind im Urlaub nicht mehr summt.