UNTERM STRICH: Die Höchststapler

Katharina Meyer

Von Katharina Meyer

Mo, 01. März 2021

Unterm Strich

Warum Nepal Bergsteigern das Bergsteigen verbietet / Von Katharina Meyer.

Den höchsten Berg der Welt besteigt man nicht einfach so, aus Spaß an der Freude. Weil da so schöner Schnee liegt. Oder um den Blick zu genießen. Nein, da geht es drum, ganz hoch hinaus zu wollen. Sich selbst was zu beweisen – und der Welt natürlich.

Der Ruhm strahlt zwar nicht mehr ganz so helle, wo sich schon mehr als 10 000 Menschen im Gipfelglanz des Mount Everest sonnten. Aber 8848 Meter bewältigt zu haben, ist im Zeitalter der abgegrasten Herausforderungen natürlich immer noch was Besonderes. Weswegen die das Gipfelgück verwaltenden Staaten China und Nepal akribisch Liste über die Gipfelbewältiger führen.

So ein Erfolg wird natürlich überprüft. Und schon blickt man in einen Abgrund der Höchststapelei. Acht Fälle von Gipfelbetrug sind bislang bekannt, sagt das nepalesische Tourismusministerium.

Dabei gibt man sich einige Mühe, um das auszuschließen: Um eine Besteigung nachzuweisen, muss man ein Ganzkörperfoto von sich auf dem Gipfel vorzeigen. Und zwar fast nackt: Unbedecktes Gesicht ist Pflicht, Sonnenbrille und Sauerstoffmaske müssen runter. Im Basislager sitzt eigens ein Behördenmitarbeiter in Schnee und Eis, um seinen Stempel auf ein Zertifikat zu setzen.

Das Problem dabei: Weil meist nur Bergsteiger und Bergführer bis ganz hoch klettern, muss man sich auf ihr Wort verlassen. Und auf das Foto. Aber was heißt das heute schon? Copy and paste, und schon winkt man von ganz oben herab.

Nur – kann man mit einem gefälschten Gipfel überhaupt glücklich werden? Sein Bergsteigerlatein erzählen, ohne rot zu werden? Vermutlich nicht. Und als ob die Peinlichkeit der Lebenslüge nicht schlimm genug wäre, straft Nepal Ertappte auch noch unbarmherzig ab: Sie werden auf Jahre hinaus für die Berge des Landes gesperrt. Verbannt von den Ruhmeslisten, herabgestoßen von glorreichen 8848 Metern in die Niederungen der Welt, ohne Chance auf Wiedergutmachung. Was für ein Absturz.