UNTERM STRICH: Einfach das Geschlecht wechseln

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Von afp

Di, 03. April 2018

Neues für Schüler

Ein Argentinier findet einen Weg, sich in die Rente zu verabschieden / Von Michael Saurer.

Das mit der Rente ist so eine Sache. Spöttisch sehnen sie manche Kollegen beim Gespräch in der Kantine oft herbei. Aber wehe, man fragt sie, wann es bei ihnen so weit sei: Urplötzlich wird ihnen dann klar, dass sie eben nicht mehr zu den ganz jungen Hüpfern gehören. Doch warum die Sensibilität? Die Rente ist schließlich eine tolle Sache. Man hat Zeit, kriegt Geld, ohne was zu tun, und kann endlich mal das erledigen, wozu man zuvor nie gekommen ist.

Allerdings ruft die Aussicht auf dauerhaften Geldsegen auch allerlei dubiose Subjekte auf den Plan, die mit windigen Methoden versuchen, Rente zu kassieren. Immer wieder liest man etwa, dass Nachkommen den Tod eines Elternteils nicht melden und so einfach weiter deren Rente beziehen. Ein Vorgehen, das spätestens dann auffällt, wenn der Bürgermeister mit einem Blumenstrauß vor der Tür steht, weil er zum vermeintlich 100. Geburtstag gratulieren will.

In Argentinien war ein Mann da findiger. Im Mutterland des Tangos können Beamtinnen mit 60 Jahren in Rente gehen, ihre männlichen Kollegen aber erst mit 65. Ob der 59-Jährige sich dadurch als Mann diskriminiert fühlte oder er nur einfach einen Weg suchte, sich möglichst schnell aus seiner Amtsstube zu verabschieden – das ist nicht weiter überliefert. Aber Fakt ist, dass der Mann namens Sergio eine bestehende Gesetzeslücke zu seinem Vorteil nutzte: Er wechselte – ausschließlich auf dem Papier – einfach sein Geschlecht und wurde amtlich zur Frau.

Das ist in Argentinien unbürokratisch und ohne Nachweis der tatsächlichen sexuellen Identität möglich. Und so wurde aus Sergio also Sergia – und diese konnte im Jahr darauf in Rente gehen. Ein "klarer Fall von Missbrauch der Ruhestandsregelungen", kritisierte ein ranghoher Standesbeamter. Vor allem aber ein Vorgehen, das, wenn es Schule macht, die Geschlechterstatistik im Land gehörig durcheinanderwirbeln und einen beträchtlichen Überschuss an Frauen im Rentenalter hervorrufen dürfte