UNTERM STRICH: Eiskalte Schatzkiste

Katja Bauer

Von Katja Bauer

Sa, 11. Juli 2020

Unterm Strich

Vom Phänomen des Tiefkühltruhenbuchhalters / Von Katja Bauer.

Erst neulich ging es hier an dieser Stelle um den magischen Rhabarber, und kaum blättert man drei Mal um, schon ist die Saison nahezu vorbei. Das ist bedauerlich und nicht zu ändern. Außer man hat eine Tiefkühltruhe.

Schöner als das ist eigentlich nur eine Tiefkühltruhe, über die man die Übersicht verliert. Ich kenne Menschen, die haben und benutzen Etiketten, um zu notieren, was sie einfrieren, samt Datum, natürlich leserlich.

Tatsächlich existiert die Spezies des Tiefkühltruhenbuchhalters, er erarbeitet und pflegt Exceltabellen zu Bestand, Menge, Kombinationsmöglichkeit und Verbrauchsdatum, und wäre ich nicht in direkter Linie mit einem solchen Exemplar verwandt, würde ich sagen, das ist alles gelogen. Aber es muss mehr als ein solches Wesen geben, denn ein maßgeblicher Gefrierbeutelhersteller druckt nun Nummern auf seine Tütchen, die man mit dem Smartphone scannen kann und weiter hab ich nicht gelesen, was dann passieren soll. Ich finde mich schon sehr hausfraulich, wenn ich den Gefrierbeutel nach Befüllung verschließe.

Dafür ist meine Truhe eher so eine Art Schatzkiste und bietet eine angemessene Mischung aus Unterhaltung und Spannung, also mehr als man vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen sagen kann. Gestern zum Beispiel war keine Zeit zum Kochen, also begann die Suche nach dieser einen Box mit Ragù für eine schnelle Pasta. Gefunden und ab in den Topf damit. Nach einer Weile begann es, in der Küche verführerisch zu duften – nach Fisch. Überraschung! Es war aus Versehen der Rest Sud der Karkassen von neulich!

Ich würde ja gerne sagen, dass Corona-Yoga mich Dankbarkeit gelehrt hat, aber das wäre stark übertrieben. Trotzdem war das die Gelegenheit, endlich die restlichen Meeresfrüchte auch noch aufzutauen und ein Risotto zu machen. Dabei fiel mein Blick auf den frisch eingefrorenen Rhabarber. Hoffentlich fällt er mir erst im Winter wieder ein. Und wird dann zum perfekten Trost aus der Schatztruhe.