UNTERM STRICH: Faulheit stärkt die Glieder

jad

Von jad

Do, 04. Februar 2021

Unterm Strich

Politiker wollen Ersatz für entgangene Wochenend-Feiertage / Von Johannes Adam.

Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder. Und: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Seit ich vor Urzeiten meinen Lebensmittelpunkt vom wunderschönen Saarland ins auch irgendwie nette Baden-Württemberg verlegte, ist für mich vor allem eines elementar anders: Dreikönig ist Feiertag (dafür an der Saar Mariä Himmelfahrt am 15. August)!

Inzwischen haben wir den winterlichen Feierreigen unbeschadet überstanden: Weihnachten mit diesmal drei Müßiggang-Tagen in Folge, den Jahreswechsel und zu allem Überfluss den arbeitsfreien 6. Januar. Feiertagsmilieu ohne Ende – und das (wg. Lockdown!) überwiegend bei stubenhockendem Sofawärmdienst.

Nun allerdings macht sich Empörung breit. 2021 sei für Arbeitnehmer "ein Ärgernis", schrieb (hallo, Kollegen!) ausgerechnet die Saarbrücker Zeitung. Grund für den Sturm im Wasserglas: Der 1. Mai, der Tag der Deutschen Einheit, der Reformationstag in neun Bundesländern und die beiden Weihnachtsfeiertage fallen auf Sams- oder Sonntag – selbst der Neujahrstag 2022 ist betroffen. Politiker (wer sonst?) kamen daher auf die Schnapsidee, entgangene Feiertage nachzuholen.

Konkret heißt das: Wenn der Feiertag auf einen Sonntag fällt, soll der folgende Montag frei sein. Warum das denn? Wo man doch seit Menschengedenken in dem so sicheren wie wohligen Gefühl lebt, dass sich die Chose mit den Feiertagen im Lauf der Kalenderjahre quasi automatisch ausgleicht. Jetzt ist zudem von einem Corona-Bonus die Rede. Kriegen hier irgendwelche Raffzähne mal wieder nicht genug? Muss das Arbeitszeitgesetz geändert werden? Wie dem auch sei: In Belgien, Großbritannien und Spanien wird ein solcher Ausgleich gewährt.

Apropos Ausgleich: Für den kommenden Sommer sind bei mir drei wohlverdiente Wochen Urlaub geplant. Sollten da – Gott bewahre! – Regentage dabei sein, werde ich unverzüglich Ersatz fordern. Mindestens aber angemessenes Schmerzensgeld. Und natürlich in jedem Fall eine sehr großzügige Verpflegungspauschale.