UNTERM STRICH: Freiburg fehlt bald die Weisheit

Sa, 06. Februar 2021

Kolumnen (Sonstige)

Um eine Stelle im Sachverständigenrat Wirtschaft gibt es Ärger / Von Jörg Buteweg.

Es ist eine trübe Zeit. Erst schmilzt der Schnee noch schneller, als er fiel, und jetzt geht Südbaden wohl auch noch ein Stück Weisheit verloren. Und das kommt so: An der Universität Freiburg lehrt ein Weiser, ein Wirtschaftsweiser, um genau zu sein. Er heißt Lars Feld und ist Professor für Wirtschaftspolitik. Den Titel hat er sich nicht selbst verliehen. Vor zehn Jahren hat ihn die damalige Bundesregierung in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung berufen. Das ist eine Gruppe von fünf Personen, die regelmäßig Gutachten verfasst. Weil der Name lang und und langweilig ist, nennt man die Mitglieder Wirtschaftsweise. Zum Weisen wird man also durch Ernennung. Seit einem Jahr ist Feld Vorsitzender der Runde.

So ein/e Weise/r – inzwischen gehören zwei Professorinnen dazu – wird für fünf Jahre berufen. Die zweite Amtszeit des Freiburger Weisen Feld läuft Ende Februar aus. Er hat erkennen lassen, dass er weitermachen würde. Das will – offiziell gibt es keine Stellungnahmen zu der Personalie – die SPD nicht. Feld macht aus seiner wirtschaftsliberalen Einstellung kein Hehl, er hat sich stets dafür ausgesprochen, die Schuldenbremse beizubehalten. Die SPD hält sie für ein Hindernis für mehr Wachstum. Auch von höheren Steuern für Firmen und Gutverdiener hält Feld nichts, die SPD schon.

Nun werden andere Namen gehandelt, etwa Marcel Fratzscher, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Er wirbt für mehr staatliche Investitionen und findet Schulden nicht problematisch. Das gefällt der Union nicht. Ob sich bis Ende Februar eine Lösung findet? Der Sachverständigenrat könnte Gutachten auch zu viert schreiben. Der Mannheimer Wirtschaftsprofessor Hans Martin Grüner hat vor einigen Tagen auf Twitter eine Solidaritätsadresse für Feld getweetet. Die bekam viele Likes. Aber nicht von Wirtschaftsprofessoren, sondern von Journalisten. Kein Wunder: Feld schlägt Interviewwünsche so gut wie nie ab. Das mögen Journalisten.