UNTERM STRICH: Hallo, Taxi!

Patrick Guyton

Von Patrick Guyton

Di, 29. Dezember 2020

Unterm Strich

Münchner Uni-Vizepräsident lässt sich gern und teuer chauffieren / Von Patrick Guyton.

64 000 Euro – das ist deutlich mehr als das durchschnittliche Jahresgehalt eines Arbeitnehmers in Deutschland. Dafür kann man sich in München einen schönen Garagenstellplatz kaufen und in, sagen wir, Dessau ein sanierungsbedürftiges Haus. Knackt man bei Günther Jauch die 64 000-Euro-Frage, ist eine lange und luxuriöse Weltreise drin, nach Corona.

Für 64 000 Euro lässt es sich auch Taxi fahren, zehn Jahre lang, regelmäßig 90 Kilometer vom Arbeitsplatz zum Wohnort. So hat es ein Vize-Präsident der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) praktiziert. Und sich die Kosten dafür sämtlich erstatten lassen. Das sorgt nun in Bayern für heftigen Wirbel.

Diese Form der kreativen Verwendung von Steuergeld hat der Bayerische Oberste Rechnungshof im Sommer bei Prüfungen des Finanzgebarens entdeckt und auf Anfragen bestätigt. Nun hat sich die Landesanwaltschaft Bayern eingeschaltet. Die Behörde, die sich um mögliche Vergehen von Staatsbediensteten kümmert, teilt auf Anfrage mit, sie habe in der Causa "wegen des Verdachts eines Dienstvergehens ein Disziplinarverfahren eingeleitet" gegen das Präsidiumsmitglied.

Die LMU ist mit 52 000 Studierenden Deutschlands größte Präsenz-Universität. Das sechsköpfige Präsidium lenkt und leitet deren Geschicke mit Exzellenz-Status – zweifellos eine große Aufgabe.

Die örtliche Presse fordert den Vize nun zum Rücktritt auf, das verschwenderische Verhalten sei Bayerns renommiertester Hochschule unwürdig. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Verena Osygen will den Wissenschaftsausschuss einschalten, FDP-Bildungspolitiker Wolfgang Heubisch meint: "Da wird gemauert."

Bis die Affäre juristisch geklärt ist, kann es dauern. Laut Landesanwaltschaft erhält der Vize Gelegenheit zu einer ersten Stellungnahme. Sie wird nicht vor Ende Januar 2021 erwartet. Die Uni duckt sich derweil weg. Eine Anfrage an den Präsidenten, den Volkswirtschaftsprofessor Bernd Huber, wie er zu dem Fall steht, blieb unbeantwortet.