UNTERM STRICH: Im Dunkelfeld der Gesellschaft

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Mo, 28. Dezember 2020

Unterm Strich

Wie Corona Einbrechern das Handwerk legt / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

Gibt es jemanden, der nicht unter Corona leidet? Wohl kaum, und dennoch gibt es in der öffentlichen Wahrnehmung große Unterschiede. So sind wir mit den Nöten von Gastwirten, Einzelhändlern oder Kulturschaffenden gut und mitfühlend vertraut. Aber was ist mit jenen, die zu sozialen Randgruppen zählen und ohne Lobby sind? Auf eine solche Gruppe, die sich schon von Berufs wegen im Dunkelfeld der Gesellschaft aufhält, hat nun das Landeskriminalamt hingewiesen: Es sind Einbrecher und Taschendiebe.

Ihnen hat Corona ordentlich die Bilanz verhagelt. Allein die Zahl der Wohnungseinbrüche – auch hier zeigt sich die historische Dimension der Pandemie – ist in Baden-Württemberg auf den niedrigsten Stand seit 1971 gefallen! Klar, viele Leute sind zu Hause, ob däumchendrehend oder homeofficemäßig oder beides zugleich. Auf Einbrecher jedenfalls wirken solche Behausungen wie bewohnte Hundehütten. Wer traut sich da schon rein? All die Investitionen wie Brechstangen, Lampen oder Bolzenschneider sind nun für die Katz – und können nicht einmal von der Steuer abgesetzt werden. Nach vorläufigen Schätzungen sind die Wohnungseinbrüche im Vergleich zum Vorjahr sogar um 25 Prozent zurückgegangen. Das ist Rezession pur. Auch den Taschendieben vermasselt Corona das Geschäft, was an den Abstandsregeln liegt. Denn kommt jemand einem zu nahe, heißt es gleich: AHA, ein Taschendieb!

Wer hoffte, Corona könnte Dieben und Einbrechern das Handwerk legen, muss sich eines besseren belehren lassen. Denn das Böse ist nicht nur immer und überall, es ist auch kreativ. So hat das Virus nicht nur in Großbritannien, sondern auch in der Kriminalität für Mutationen gesorgt. Im Netz etwa kann man in "Fake-Shops" Masken, Tests und anderes bestellen, bezahlen und nie kriegen. Und so landen wir wieder mal bei den alten Römern, denen wir nicht nur den Namen der Pandemie zu verdanken haben, sondern auch die Weisheit, die da lautet: Tempora mutantur (die Zeiten ändern sich).