UNTERM STRICH: (K)eine Frage der Transparenz

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Fr, 11. September 2020

Unterm Strich

In Tokio gibt es öffentliche Toiletten mit durchsichtigen Glaswänden / Von Alexander Dick.

Europäer, die in Japan zu Besuch waren, haben viel zu erzählen. Von der Disziplin der Menschen, von Reis und Fisch… Fast jeder Nippon-Rückkehrer aber verliert auch ein paar Worte über die Toiletten. Denn der gemeine Homo europaeus fühlt sich in der Regel erst einmal überfordert, wenn er hinter oder neben dem Toilettensitz mit diversen Schaltern konfrontiert wird. Was soll man denn damit steuern?

Die Antwort bekommt man nach Betätigung der Tasten dieser sogenannten Washlets: So heißt die moderne japanische Toilette und sie kann deutlich mehr als – na ja, als das Übliche. Nicht nur, dass sie auch die Funktion eines Bidets übernimmt, "Geruchsabsaugung, Warmluftgebläse, Sitzheizung, Massagefunktion", wie wir bei Wikipedia nachlesen können, gehören ebenfalls zu ihrem Repertoire.

Vor diesem Hintergrund überrascht die Meldung über die neueste Toilettenreform im Lande Nippon kaum noch. In einem Park in Tokio wurden jetzt ultramoderne WCs eröffnet, umgeben von Glaswänden und damit rundum einsehbar. Oho. Aber das ist nur die halbe Nachricht. Sobald man die Toilette benutzt und verschließt, werden die Glaswände undurchsichtig. "Das Glas wird dann", so berichtet die Nachrichtenagentur AFP, "für die Männer-Toilette lila, für Frauen pink". Verantwortlich sei dafür Elektrizität. Ein Stromkreislauf halte das Glas transparent, werde er unterbrochen, sei es vorbei mit der Durchsichtigkeit.

Warum das Ganze? Damit der potenzielle Benutzer sich auch von außen von der Sauberkeit des WCs überzeugen könne. Falls es Strom gibt. Denn sonst kann man ja nicht durchschauen. Es ist wie immer alles eine Frage der Perspektive. Wer schon mal ein ganz dringendes Bedürfnis verspürt hat, wird über jedes Klo dankbar gewesen sein. Auch ohne Washlet und wahlweise transparente oder intransparente Scheiben. Wer dagegen in manch modernem Hotelzimmer auf die durchsichtige Tür zum Bad blickt, wünschte sich schnell einen Stromausfall herbei. Wobei der vermutlich gar nichts nützte …