UNTERM STRICH: Kammmolch ante portas

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Mi, 24. März 2021

Unterm Strich

Wie man in Basel die Ausbreitung einer neuen Art verhindern will / Von Franz Schmider.

Es ist höchste Zeit, sich einmal ernsthaft mit dem Alpen-Kammmolch zu beschäftigen, Triturus carnifex. Manche kennen den Schwanzlurch aus der Familie der echten Salamander auch als Italienischen Kammmolch, aber das lenkt auf eine falsche Fährte. Denn nicht die EU-Außen- und Landesgrenze im Süden der Schweiz markiert die Ausdehnung des Lebensraumes nach Norden, sondern eher der Alpenhauptkamm.

Nördlich dieses Riegels, der uns den Weg an die Strände des Mittelmeers so beschwerlich macht, war der italienische Kammmolch bislang unbekannt. Heimisch ist hier eine Art Vetter, der nördliche Kammmolch, Triturus cristatus. Und der steht laut der Liste, die das Umweltministerium von Baden-Württemberg herausgibt, als hochgradig bedrohte Art unter besonderem Schutz.

Den könnte er jetzt mehr denn je benötigen, weil Vetter carnifex vor den Toren von Basel aufgetaucht ist, also sozusagen an der Grenze steht. Und zwar im Mühlebachtal bei Allschwil, wie die Gesundheitsdirektion des Kantons Basel-Land besorgt mitteilt. Just dort also, wo sich ein wichtiges Laichgebiet unseres geschützten Wikingermolchs befindet. "Es besteht die Gefahr, dass der italienische Verwandte sich über kurz oder lang ausbreitet und die nördliche Art praktisch komplett aus dem Kanton verdrängt", sorgt sich die Regierung. Wehret den Anfängen! Der Lebensraum des Nordmolchs wird also am Mühlebach verteidigt.

Angesichts der noch geringen Carnifex-Inzidenz hofft man, die Ausbreitung noch konventionell in den Griff zu bekommen. Wandernde Amphibien werden nun im Mühlebachtal nicht länger freundschaftlich und in Sänften über Straßen und Wege getragen, geleitet oder geführt, sondern in Eimer gelockt – in eine Art Abschiebezelle für illegale Einwanderer. Was dann passiert, formuliert die Gesundheitsdirektion transparent, aber schonungslos: "Die Italienischen Kammmolche werden aussortiert, gesetzeskonform und fachmännisch getötet."