UNTERM STRICH: Kein Zoll auf dem Weg zum Mond

Michael Heilemann

Von Michael Heilemann

Sa, 05. September 2020

Unterm Strich

Die Nasa lässt sich eine neue Flugroute patentieren / Von Michael Heilemann.

Sie kann einem leid tun, diese Nasa. Die stolzen Zeiten, als Nasa-Raketen serienweise Amerikaner zum Mond flogen – wer erinnert sich daran noch? Heute geben Techpioniere wie SpaceX-Chef Elon Musk den Ton an. Er ist es, dessen Raketen Menschen ins All fliegen, zur Raumstation und bald wahrscheinlich zum Mond. Die Nasa heute – sie steht für eine unbewegliche Behörde, die sich von den Tiefschlägen der Space-Shuttle-Katastrophen nicht mehr erholt hat, seither nichts auf die Reihe bekommt, Milliarden Dollar verpulvert und chronisch klamm ist.

Denen von der Nasa traut man alles zu. Sogar, dass sie in kleinkrämerischer Manier versuchen, ein paar Extra-Dollars rauszuschinden. Und die Konkurrenz auszubooten. Groß war jedenfalls der Aufschrei, als vor kurzem die Nachricht durch die sozialen Medien ging, dass die oberste Raumfahrtbehörde eine neue Flugbahn zum Mond ausgetüftelt hat – und sie sich prompt patentieren ließ.

Es handelt sich um eine ganz besondere Flugbahn, auf der Raumschiffe mit wesentlich weniger Treibstoff ans Ziel kommen und vor allem auch die hintere Seite des Mondes erreichen können – eine Zone der Stille, wohin kein störender Funkverkehr von der Erde dringt. Von hier aus, sozusagen im Windschatten des Mondes, können Astronomen mit Radioteleskopen tief ins Weltall hineinlauschen, um Signale aus dem "dunklen Zeitalter" des Universums aufzuspüren.

Das ist eigentlich eine aufregende, die wissenschaftliche Fantasie beflügelnde Nachricht, mit der sich die Nasa hätte schmücken können – wäre da nicht die Sache mit dem Patent gewesen. "Wollen die Wegezoll zum Mond kassieren?", echoten sie auf Twitter. Sogar von Imperialismus auf dem Mond war die Rede.

Dumm gelaufen, Nasa. PR mangelhaft. Ihr hättet vielleicht noch dazuschreiben sollen, dass ihr grundsätzlich Patente auf eure Arbeit beantragt – und die Erkenntnisse postwendend wieder freigebt. Auf dass jeder davon profitiere. Auch wenn er Elon Musk heißt und Milliardär ist.