UNTERM STRICH: Kurznachricht vom Briefträger

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mi, 03. Februar 2021

Unterm Strich

Erstmals ist die Zahl der versandten Postkarten wieder gestiegen / Von Alexander Dick.

Wer kennt sie nicht, die netten Geschichten vom netten Briefträger, der bei der netten Frau Sowieso mit der Post klingelt: "Guten Tag Frau Sowieso, ich hab’ gute Nachrichten für Sie. Ihre Tochter schreibt, dem Baby geht’s gut – ist das nicht wunderbar?" Und überreicht die Postkarte. Und Frau Sowieso freut sich.

So ähnlich soll das früher gewesen sein, als die Leute noch eifrig Postkarten schrieben. Das heißt – so könnte es vielleicht bald wieder werden. Denn die Leute schreiben wieder mehr Postkarten, konstatiert die, die’s wissen muss: die Deutsche Post DHL Group. Ihr zufolge ist die Zahl der versandten Postkarten seit "Ende 2020 erstmals seit langem gestiegen". Im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent. Messerscharfe Schlussfolgerung: "Viele nutzten das Medium in der Pandemie offenbar, um miteinander in Kontakt zu bleiben." Also, bei 147 Millionen Postkarten 2019 reden wir von einem Zuwachs von rund 16 Millionen.

Ziehen wir dann noch in Betracht, dass der globale Tourismus 2020 um 74 Prozent schrumpfte, ergibt sich automatisch die Frage: Wo kommt der Zuwachs her? Greifen also doch die Töchter und womöglich auch Söhne zum Kugelschreiber und berichten über einen Schwank aus Ihrem Leben? Wohl oder eben nicht wissend, dass es um den Datenschutz einer Postkarte ähnlich bestellt ist wie um jenen einer Whatsapp-Nachricht? War ein Scherz... Wie auch immer: Postkarten oder, wie es 1865 in Preußen noch hieß, "Offene Karten" wurden für Kurznachrichten erfunden, die zu einer geringeren Gebühr zugestellt wurden als ein Brief.

Dass darauf eben nicht nur der Besuch des Geschäftspartners annonciert wurde, sondern auch Grüße aus Wasweißichwo (mit Bild) oder eben Nachrichten über die allgemeine Befindlichkeit, ist eine längere Entwicklung, an deren Ende der Niedergang der Postkarte stand. Beziehungsweise der vorläufige, wie wir soeben gelernt haben. Ist doch eine gute Nachricht – auch für Frau Sowieso und die soziale Interaktion mit dem Briefträger.