UNTERM STRICH: Nicht mehr in den Herzen der Spanier

Martin Dahms

Von Martin Dahms

Sa, 27. Februar 2021

Unterm Strich

Ex-Monarch Juan Carlos zahlt Steuern nach – will er wieder heim? / Von Martin Dahms.

Juan Carlos hat gern gelebt wie ein König, auch wenn sein Gehalt dafür nicht reichte. Um die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen, sprangen reiche Gönner ein, zum Beispiel ein entfernter Verwandter namens Álvaro de Orleans, der ihm Flüge im Privatjet spendierte. Sehr viele Flüge. Um die acht Millionen Euro soll dessen Stiftung Zagatka (mit Sitz in Liechtenstein, wo sonst?) für Ausflüge des spanischen Ex-Monarchen im Privatjet hingelegt haben. Sowas ist eine Sachleistung, die versteuert werden muss. Was Juan Carlos bisher nicht tat.

Nun aber doch. Am Freitag machte die spanische Tageszeitung El País mit der Exklusivmeldung über die königliche Steuernachzahlung in Höhe von rund vier Millionen Euro auf. Die Netzzeitung El Confidencial lieferte zudem eine plausible Theorie über den Anlass für die plötzliche Nachzahlung. Sie sei das Ergebnis diskreter Verhandlungen zwischen Regierung und Königshaus, um eine halbwegs respektable Rückkehr des Ex-Monarchen nach Spanien zu ermöglichen. Seit August ist Juan Carlos in Abu Dhabi, und er soll sich dort nicht recht heimisch fühlen.

Der 83-jährige frühere König dürfte es aber schwer haben, die Herzen der Spanier zurückzugewinnen. Sein Sohn und Nachfolger, Felipe VI., hat diese Woche zwar noch einmal an eine der großen Leistungen seines Vaters erinnert: an "Festigkeit und Autorität", mit denen er sich vor 40 Jahren, am 23. Februar 1981, dem Putschversuch rechter Militärs entgegenstellte und damit den "Triumph der Demokratie" ermöglichte.

Das aber ist vielen jungen und manchen älteren Spaniern inzwischen egal. Für sie ist Juan Carlos wenig mehr als ein Lebemann unter Korruptionsverdacht – wenngleich ihm Korruption nie nachgewiesen wurde. Was ihm aber in jedem Fall vorgehalten werden kann, ist seine miese Steuermoral. Dass er nun nachgezahlt hat, dürfte auch damit zu tun haben, dass ein abgedankter König im Gegensatz zu einem amtierenden in Spanien vor Gericht gestellt darf.