UNTERM STRICH: Nur eine Drei für den fleißigen Cem

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 30. Juli 2020

Unterm Strich

Zum Ferienbeginn gibt es Noten nicht nur für die Schüler / Von Lena Hummel.

Ferienzeit heißt Zeugniszeit – und zwar nicht nur für die Schüler im Südwesten, sondern auch für die baden-württembergischen Bundestagsabgeordneten. Der Prüfer: Das Online-Portal abgeordnetenwatch.de, das Politiker danach bewertet, wie fleißig sie die eingereichten Fragen der Bürgerinnen und Bürger seit der Bundestagswahl 2017 beantworten – eine Note für Mitarbeit quasi.

Musterschüler ist ganz klar der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter. Bei ihm sind nicht nur die meisten Fragen – 159 an der Zahl – eingegangen, er hat auch alle beantwortet. Das gehöre "zu seinem Selbstverständnis als Abgeordneter", sagt er, ergänzt aber, dass die meisten Anfragen aus seinem Wahlkreis Aalen-Heidenheim kämen.

Die AfD-Landesvorsitzende Alice Weidel glänzt wie auch Volker Kauder (CDU) und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (ebenfalls CDU) dagegen nicht durch Mitarbeit. Kein einziges Mal haben sich die Abgeordneten auf Anfragen zurückgemeldet. Weidel konzentriert sich lieber auf andere Fächer, soziale Medien zum Beispiel. Kauder findet es "total abwegig", dass eine einzige Note darüber entscheidet, ob er ein guter oder ein schlechter Schüler ist. Und Schäuble hat dem strengen Prüfer sogar erklärt, warum er sich nicht beteiligt: Er bevorzuge den direkten Kontakt. Die SPD-Chefin Saskia Esken ärgert sich dagegen ganz schön über ihre Fünf. Wenn die Fragen nicht sie als Parlamentarierin, sondern als SPD-Chefin betreffen, dann sei ja das Thema der Frage verfehlt – und die Antwort bleibt aus. Cem Özdemir (Grüne) hingegen arbeitet richtig gut mit: 53 Fragen hat er beantwortet und ist der Viertfleißigste seiner Klasse. Trotzdem gibt es nur die Note drei – weil er 30 Fragen nicht geschafft hat. "Zeit besser einteilen", würde es da seitens der Lehrer heißen.

Was die Schüler sagen, ist der Jury allerdings egal – hier zählt Quantität statt Qualität. Für den Zweitplatzierten Lothar Binding (SPD) ist die Note eins deshalb nicht mehr als "ein schönes Kompliment".