UNTERM STRICH: Nur keine Erwartungen wecken

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Mo, 31. August 2020

Unterm Strich

Wie die Stadt Höxter einen Namen für ihre beiden Bäder fand/Von Otto Schnekenburger.

Ein vielköpfiges Team vermag mitunter mehr zu leisten als ein Einzelner. Stichwort Schwarmintelligenz. Daher rief die ostwestfälische Stadt Höxter im Juni alle Bürgerinnen und Bürger auf, bei der Suche nach neuen Namen für die städtischen Bäder mitzuhelfen. Sie lobte zugleich Jahresfreikarten für die Sieger aus. Immerhin 71 Vorschläge für das sanierte Freibad und deren 26 für das neue Hallenbad der Gemeinde folgten, aus denen der Bäderausschuss wählen konnte. Eher bieder-solide wie "Weser-Bad", unernste wie "Zum nassen Wasser" oder boshafte wie "Kalki" (weil das Bad in jüngster Vergangenheit größere Nöte mit der Entfernung von Kalkablagerungen hatte).

Die Kommunalpolitiker fremdelten mit dem multiplen Bürgerwillen. "Mit kreativen Namen wäre das doch eher schwierig", druckste etwa der Grüne Ludger Roters herum. Man wolle mit den Namen keine Erwartungen wecken, waren sich die Räte ob Vorschlägen wie "Weser-Wasser-Welt" einig. Beides seien schließlich nur klassische Bäder, die das Schwimmen ermöglichten. So lehnten sie sämtliche Ideen ab. Das Freibad soll nach ihrer Entscheidung künftig "Freibad" heißen. Und das Hallenbad folgerichtig "Hallenbad".

Welch Sternstunde an Understatement. So ist er offensichtlich, der Ostwestfale. Das ist irgendwie schade. Klar, nicht jede Gemeinde hat das unverschämte Glück, "Goch" zu heißen, so dass die Räte der Stadt im Landkreis Kleve ihren Naturbadesee inklusive "Erlebnisbecken" kongenial "Goch Ness" taufen konnten. Lautmalerische Lösungen wie "Schwapp" (Fürstenwalde), "Plub" (Pirmasens) oder "Platsch" (Oschatz) mögen auch nicht jedermanns Sache sein. Der orthographisch nicht ganz astreine Imperativ "TuWass", für den sich die Gemeinde Tuttlingen entschied, kann schwunglose Badegäste abschrecken. Aber irgendwas in Richtung von Badylon (Freilassing), Bambados (Bamberg), Lambada (Lamstedt), Südpool (Herne) oder Wananas (Wanne-Eickel) hätte sich doch finden lassen müssen.