UNTERM STRICH: Sarg oder Sport

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Di, 08. September 2020

Unterm Strich

Indonesien bestraft Maskenverweigerer eher ungewöhnlich / Von Martina Philipp.

Das Leben ist derzeit nicht wahnsinnig witzig. Auch die Tatsache, dass sich Menschen, die in Indonesien beim Nicht-Maskentragen erwischt werden, eine Minute lang in einen Sarg legen sollen, ist nicht witzig. Gar nicht. Also zumindest nicht im Sinne von "Haha" und "Hihi". Man liest das, sagt "Oh Mann..." und dann muss man vielleicht kurz nervös kichern – und kaschiert das ruckzuck mit einem Räuspern.

Tatsächlich haben Bürger, die ohne Mund-Nasen-Bedeckung erwischt werden, in Indonesiens Hauptstadt Jakarta verschiedene Möglichkeiten. Berichten zufolge können sie wählen, ob sie gemeinnützige Arbeit verrichten, eine Geldstrafe zahlen oder sich eine Minute in einen Sarg legen wollen. "Denk’ darüber nach, was passiert, wenn du Covid-19 bekommst", sagte ein Beamter zu einem der Maskenverweigerer im offenen Sarg. Ein Video der Szene wurde vor einigen Tagen auf Youtube verbreitet. Sarg oder Sport: Mitunter müssen ohne Maske ertappte Indonesier auch Liegestütze machen.

Es wäre interessant, herauszufinden, was die zwischen Räucherstäbchen und Rechtsaußen changierenden Pandemie-, Entschuldigung, Maskenverweigerer in Berlin neulich gemacht hätten, wenn man sie höflich zu ein paar Kniebeugen oder gar in einen Sarg eingeladen hätte. Nicht wenige der Protestierenden hätten wohl den Staat wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung verklagt.

Wer schon mal versucht hat, ein Kind zu erziehen, und ein paar Ratgeber gelesen hat, der weiß ja, dass Bestrafen pädagogischer Mist ist. Belohnen übrigens auch, aber das hat immerhin einen etwas positiveren Touch. Was also könnten Staaten bitte schön denjenigen Gutes tun, die sich ständig gewissenhaft ein Stück Stoff quer übers Gesicht spannen? Kinogutscheine für 2022 schenken? Maskenbälle organisieren? Biologisch abbaubare Gurkenmasken erfinden? Alles nicht witzig, aber so ist es dieser Tage. Masken wir uns nichts vor.