UNTERM STRICH: Seiteneingang zum Himmel

Johannes Dieterich

Von Johannes Dieterich

Di, 10. Mai 2022

Unterm Strich

Wie ein selbsternannter Prophet seine Anhänger austricksen will / Von Johannes Dieterich.

Afrikas Prediger, Propheten und Kirchengründer sind mächtig. Sie können nach eigener Darstellung Tote zum Leben erwecken, Rollstuhlfahrer auf die Beine bringen und Aids-Kranke heilen. Zweifelsfrei können sie sich selbst zu sagenhaftem Reichtum verhelfen. Ihre Jüngerschaft misst sich in Millionen. Der Malawier "Shepherd" Bushiri, Gründer der "Aufgeklärten Christlichen Versammlung", lässt 3,8 Millionen Schäfchen weiden, während die Weissagungen und Wundertaten des nigerianischen Propheten TB Joshua, Gründer der "Synagoge, Kirche aller Nationen", vor seinem mysteriösen Tod im vergangenen Juni 3,5 Millionen Gläubigen hinter sich hatte.

Verglichen damit ist Noah Abraham ein kleiner Fisch. Der Nigerianer hat seine Kirche, die "Christ High Commission Ministry", Mitte vergangenen Jahres in der Provinzhauptstadt Kaduna gegründet. Wenig später zog er mit 40 Auserwählten in seine einstige Heimat um, den nigerianischen Bundesstaat Ekiti. Dort, so versicherte er seinen Jüngern, befände sich "das Tor zum Himmel" – zwar nicht die Hauptpforte, aber ein Seiteneingang.

Ob seine Schäfchen freiwillig mitkamen oder entführt wurden, wie einige nun behaupten, ist unklar. Fest steht, dass Pastor Abraham seinen Gläubigen anbot, ihnen den Weg zum besagten Seiteneingang in der Nähe des Städtchens Araromi-Ugbeshi zu weisen – gegen eine Zahlung von umgerechnet 700 Dollar.

Ob er das Tor nicht gefunden hat oder der Weg hinauf zu steil war: Jedenfalls ging einer der Jünger Noah Abrahams zur Polizei und zeigte den Propheten wegen Betrugs an. Während der Vernehmung bestritt Abraham nicht, seinen Gläubigen den Zugang zum Himmel versprochen zu haben: "Ich tat das, weil mir mein Schöpfer die Genehmigung dazu gab." Er habe die Wegbeschreibung zum ewigen Glück weitergegeben, nachdem er festgestellt habe, "dass die Not meiner Gemeinde immer größer wurde". Geld habe er bislang dafür keines bekommen, versicherte der Prediger. Wer es glaubt, wird selig.