UNTERM STRICH: Seltsamer Spleen

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Sa, 26. September 2020

Unterm Strich

Jedes dritte Auto hat laut einer Studie einen Spitznamen / Von Frank Zimmermann.

Um eines vorweg zu nehmen: Ich bin weder Autofan noch besonders autointeressiert, ich verstehe nichts von Hubraum und PS und scheitere schon bei der Montage eines Scheibenwischers, und gewaschen wird mein VW Käfer nur ein oder zwei Mal im Jahr. Ist halt ein Auto.

Kurzum: Ich entspreche nicht dem Bild des gängigen Autoliebhabers. Und doch hat mein Auto einen Namen – und damit sind jetzt nicht diese seltsamen Typennamen wie Beetle, Twingo oder Focus gemeint. Nein, gemeint ist ein richtiger Name. Das aktuelle Auto heißt Emre, die Vorgänger hießen Ödön (Spitzname "Ödi", nach dem Schriftsteller von Horvath), Robin (nach dem damals aufstrebenden SC-Freiburg-Coach) und Volker (nach der SC-Trainerlegende). Warum Emre? Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger weiß ich es. War es wegen Fußball-Nationalspieler Emre Can?

Warum ich diese Peinlichkeit hier breit trete? Wieder einmal schneite uns eine dieser etwas dämlichen "repräsentativen" Studien ins Redaktionsmailfach, diesmal die einer Tankstellenkette. Anlass ist der am 2. Oktober gefeierte, in den USA beliebte "Name your Car"-Tag.

Der Studie zufolge besitzt jedes dritte Fahrzeug in Deutschland einen Spitznamen. Die Top drei seien Dicker, Baby und Schorsch. Beliebt seien Namen, die den Zustand des Autos widerspiegelten, wie Schrotthaufen oder lahme Ente. Und Namen, die an die erste große Liebe, einen Verstorbenen oder eine Berühmtheit erinnerten. Um dem Klischee auch wirklich zu entsprechen, seien 60 Prozent der Namensgeber Männer. Ich passe also ins Bild und bin, wie eine Umfrage unter Kollegen (Kolleginnen kannten das Phänomen nicht so) ergab, nicht allein mit meinem Spleen, der in meinem Fall auf meine Studienzeit zurückgeht, als wir aus einer Partylaune heraus dem WG-Auto einen Namen verpassten. Übrigens: Emre ist ein echter Kerl. Man sieht das daran – sorry, das ist jetzt arg heteronormativ –, dass er mich dank der sanften Navistimme Susi stets sicher ans Ziel bringt.