UNTERM STRICH: So lustig ist die Jägerei

Knut Krohn

Von Knut Krohn

Do, 12. November 2020

Kolumnen (Sonstige)

Frankreichs Waidmänner können es selbst im Lockdown nicht lassen / Von Knut Krohn.

Das Jagen ist in Frankreich eine populäre Angelegenheit. Weit über eine Million Menschen besitzen einen Jagdschein und freuen sich auf den Herbst, wenn die Jagdsaison eröffnet wird. Dieses Mal gibt es allerdings ein Problem: Im ganzen Land gilt ein rigider Corona-Lockdown. Jeder darf sein Haus pro Tag nur mit einem guten Grund für eine Stunde verlassen und kann sich ausschließlich im Umkreis von einem Kilometer seiner Wohnung bewegen.

Die französischen Jäger haben aber eine gut funktionierende Lobbyabteilung. Und siehe da: Bérangère Abba, Staatssekretärin für Biodiversität, verkündete für die Waidmänner allerlei Ausnahmen. So sollte beispielsweise die Jagd auf Wildschweine, die in den Wäldern große Schäden anrichten, möglich bleiben. Die Schar der Jäger jubelte, zumal Willy Schraen, Präsident der nationalen Jägervereinigung, flugs erklärte, dass diese Ausnahmen natürlich auch für Hasen, Fasanen und Tauben gelten würden und eine Stunde der "waidmännischen Entspannung" durchaus erlaubt sei.

Diese Ankündigung löste einen Sturm der Entrüstung aus. Staatssekretärin Abba sah sich genötigt, den obersten Jäger zurückzupfeifen, und erklärte ausdrücklich, dass ausschließlich Wildschweine und Rotwild gejagt werden dürften – oder vielleicht der eine oder andere Kormoran.

Jean Guichou, Direktor des Jägerverbandes im Département Ariège, war das zu wenig. Er fürchtete dramatische Konsequenzen, Autounfälle und Ernteausfällen. Daraufhin platzte Allain Bougrain-Dubourg, Präsident der französischen Vogel- und Umweltschützer, der Kragen. Er warf den Jägern Scheinheiligkeit vor. Die würden sich vor allem um ihr Freizeitvergnügen kümmern und im Winter Wildschweine durchfüttern, damit sie im Herbst abgeschossen werden könnten.

Und so geht es munter weiter. Beide Seiten tauschen täglich im für die sozialen Medien gängigen Ton ihre Argumente aus – und es wird deutlich, dass das große Halali in dem Streit noch nicht geblasen ist.