UNTERM STRICH: Uaaaaaaaaaaaahhhhhh!

Sonja Zellmann

Von Sonja Zellmann

Mo, 20. Juli 2020

Unterm Strich

Einfach mal seinen Frust rauslassen – und nach Island schicken / Von Sonja Zellmann.

Wenn alles nur noch nervt – ein stressiger Arbeitstag, missmutige Teenager zuhause oder eine Corona-Krise, die kein Ende zu nehmen scheint –, kommt irgendwann der Punkt, an dem einen der Frust fast platzen lässt. Da das unschön wäre, müssen die schlechten Gefühle raus. Schnell. Um sie loszuwerden, könnte man joggen gehen, den Garten umgraben, dem Alkohol verfallen oder am Computer zocken. Oder aber man schreit. Und zwar möglichst laut und aus tiefstem Herzen. Denn das befreit. Nicht umsonst werden Schreitherapien zu Konfliktmanagement und Krisenbewältigung angeboten.

Besonders schön schreit es sich in der wilden Natur. Vermutlich ist ein Schrei dort auch besonders effektiv, weil es um ihn herum so besonders ruhig ist. Wer nun gerade keine Natur zur Hand hat, kann einfach in Island schreien – des dortigen Tourismusmarketings sei Dank. In Island gibt es eine Menge wilder Natur.

"Du hast viel durchgemacht. Du suchst den perfekten Ort, um es rauszulassen. Es sieht so aus, als bräuchtest du Island." Mit dieser genialen wie schrägen Werbeidee lockt http://www.visiticeland.com Frustrierte auf seine Website. Sie können dort ihren Schrei aufnehmen und auswählen, an welchem von sieben möglichen wilden Orten in Island er abgespielt wird.

Wer noch Hemmungen hat oder unsicher ist, kann sich auf der Website erst einmal bereits hochgeladene Schreie von Menschen aus aller Welt anhören. Schnell wird klar: Beim Schreien gibt es kein richtig oder falsch. Kay aus Hamburg ruft beispielsweise einfach "Kay, Kay, Kay", Yaya aus London lässt es wirklich krachen und brüllt in den höchsten Tönen. Und Jason, auch London, lässt eine Art lautes Muhen vom Stapel. Außerdem bietet eine Anleitung einer Psychotherapeutin Hilfe. Demnach sollte man beim Schreien stehen – die Füße hüftbreit auseinander, die Knie leicht gebeugt. Gerne könne man auch die Arme nutzen, um die aufgestauten Emotionen aus sich herauszustoßen. Worauf also warten? Ach so, die Nachbarn könnten sich wundern ...