UNTERM STRICH: Unzickiger Rhabarber

Katja Bauer

Von Katja Bauer

Do, 28. Mai 2020

Unterm Strich

Dieses Gemüse kann man nicht erklären – man liebt es oder eben nicht / Von Katja Bauer.

Zu manchen Lebensmitteln gibt es nur zwei starke Gefühlsregungen: Ihhh! oder Ahhh! Das ist bei Marzipan so, bei Kümmel, bei Koriander und natürlich auch bei Rhabarber. Manche Menschen verabscheuen ihn. Das ist gut und richtig, denn es bleibt deshalb mehr für diejenigen, die ihn lieben.

Sehr lange ist das noch gar nicht der Fall. Erst seit dem 19. Jahrhundert hat sich diese seltsame Gebirgspflanze, die früher als fiese Magen-Medizin bekannt war, als saures Gemüse etabliert.

Vergessen wir die Vergangenheit. Wer Rhabarber liebt, für den ist er einer dieser Glücksauslöser, die einen des Frühlings versichern, dann, wenn die Kirschen noch grün am Baum hängen, dann kommt dieser hässliche, starke Kerl und macht einem nichts vor.

Rhabarber führt niemanden anstrengungslos ins Schlaraffenland, er ist jedoch willig, sich einer Zubereitung zu beugen. Er empfiehlt sich als überlegener Begleiter jeder gefälligen, wahnsinnig langweiligen Süße. Rhabarber hat zudem den Vorteil, nicht zickig zu sein. Man schält ihn, schneidet ihn in Stücke, und dann lässt er eigentlich mit sich machen, was man mit ihm machen will.

Es gibt fast nichts, was an einen süß-sauren Rhabarberkuchen mit Baiser heranreicht. Zum Käse und zum Grillfleisch schmeckt ein Chutney aus 500 Gramm Rhabarber, den man mit 50 Gramm Schalotten, 50 Gramm Rosinen und 110 Gramm Zucker sowie frischem Ingwer karamellisiert und mit Salz, Pfeffer und Chili würzt, mit 150 Milliliter Weißweinessig ablöscht und einkocht.

Zu den Quick-and-dirty-Rezepten der Corona-Küche gehört der Rhubarb-Fool. Ein Pfund Rhabarber in zwei bis drei Zentimeter lange Stücke schneiden, mit 100 Gramm Zucker, etwas Ingwer, vielleicht Orangenschale und 100 Milliliter Wasser weich kochen, abseihen, den Sud auffangen, zu Sirup einkochen. Einen Viertelliter Sahne schlagen. Rhabarber unterheben, kaltstellen, vor dem Servieren mit Sirup beträufeln. Ahhh!