UNTERM STRICH: Von wegen nichts zu tun

Holger Knöferl

Von Holger Knöferl

Fr, 19. März 2021

Kolumnen (Sonstige)

Die Landeshennen haben einen Rekord in der Eierproduktion erreicht / Von Holger Knöferl.

"Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn, ich hätt’ nicht viel zu tun, ich legte jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal zwei." Es klingt tatsächlich nach idyllischem Hühnerleben, was Lilian Harvey und Willi Fritsch da im Jahre 1936 trällerten. Indessen: So geruhsam kann das für das Federvieh nicht gewesen sein. Denn rein rechnerisch muss so eine Henne mindestens 365 Eier im Jahr gelegt haben. Wenn es sonntags auch mal zwei gegeben hat, eher sogar 400.

Da kommen die Ururururururenkelinnen in Baden-Württemberg längst nicht mit. Die legten im vergangenen Jahr nämlich im Schnitt nur 288 Eier. Wer so etwas weiß? Na, die Eierzähler vom Statistischen Landesamt, die auch solche Daten akribisch erfassen. So rein eiermäßig blickt das Ländle allerdings auf ein absolutes Rekordjahr zurück. Fast 650 Millionen Eier legten die Landeshennen und damit 27 Millionen mehr als im Vorjahr. Und sogar 240 Millionen mehr als noch im Jahr 2010. Eieiei.

Das nun liegt nicht daran, dass das Federvieh Eier legt wie die Sau. Nein, die schiere Zahl der Produzentinnen ist gestiegen. 2,2 Millionen Legehennen sorgten vergangenes Jahr für den Nachschub, 60 000 mehr als noch im Jahr davor. Der Großteil der Tiere wurde dabei in Bodenhaltung gehalten, nämlich fast zwei Drittel. Echte Mistkratzer waren hingegen weiter in der Minderheit. Nur etwa zehn Prozent der Landeseier wurden unter ökologischen Bedingungen gelegt.

Bei derartigen Dimensionen fehlt dem Otto-Normal-Eierverspeiser dann allerdings doch recht schnell der Bezug zur Realität. Haben wir denn jetzt genug Rohstoff für Frühstückstisch und landestypische Spezialitäten? Also flugs einmal zurückgerechnet. Und da sieht es dann so aus, dass jede Henne im Land ziemlich genau ein Ei pro Landeskind gelegt hat – pro Woche. Ein Wert, der uns nachdenklich stimmen sollte im Land der Tüftler und Spätzlesliebhaber. Hennen im Land, wir brauchen euch. Legt doch sonntags auch mal drei.