UNTERM STRICH: Warten auf Bond, Nomi Bond

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Fr, 06. November 2020

Unterm Strich

Crowdfunding-Gruppe wollte neuen 007 ins Fernsehen bringen / Von Heidi Ossenberg.

"Komm, wir gehen!" "Wir können nicht." "Warum nicht?" "Wir warten auf Godot." Warten ist – nicht nur für Estragon und Wladimir, die beiden Protagonisten in Samuel Becketts absurdem Theaterstück – eine existenzielle wie auch alltägliche Erfahrung. Menschen sind unterschiedlich gut darin, zu warten. Die einen tun es, weil es eben oft nicht anders geht, andere erkennen es als Chance zur Muße, dritte müssen, weil sie das Warten grundsätzlich nicht aushalten, die Wartezeit mit wildem Aktionismus füllen.

So auch das "Team Bond", von dem die Deutsche Presse-Agentur jetzt berichtet. Hinter dem Team Bond stecken Hardcore-Fans des fiktiven Doppel-Null-Agenten Ihrer Majestät, die mindestens bis zum Frühjahr 2021 darauf warten sollen, bis sie erleben, wie Daniel Craig es in "Keine Zeit zu sterben" erneut mit dem schlimmsten Bösewicht der Welt aufnimmt. Weil das für die Bond-Anhänger eine völlig unakzeptable Wartezeit bedeutet – schließlich sollte der Actionstreifen ursprünglich schon im Oktober 2019 auf die Kinoleinwände – haben sie jetzt eine Crowdfunding-Kampagne im Netz gestartet. Mit der nachgerade lächerlichen Summe von rund 670 Millionen Euro, die sie bis vor Weihnachten einzusammeln gedenken, wollen sie die Rechte am Film kaufen – und ihn rechtzeitig zum Christfest ins Fernsehen bringen.

Abgesehen davon, dass die Verantwortlichen im Filmstudio MGM den Warteunwilligen schnell in die Parade gefahren sind und verkündet haben, "Keine Zeit zu sterben" sei definitiv unverkäuflich, hat Team Bond etwas Entscheidendes übersehen: Das Spannende am 25. James-Bond-Streifen ist gar nicht Daniel Craig – sondern der erste Auftritt einer weiblichen Doppel-Null bei den legendären Fleming-Verfilmungen. Die Britin Lashana Lynch hat die Rolle der MI6-Agentin Nomi (Bond?) übernommen. Und seien wir ehrlich: Ohne ausführliche Wartezeit, in der wir wieder und wieder die Trailer zu "Keine Zeit zu sterben" angeschaut haben, wäre das kaum aufgefallen.