UNTERM STRICH: Weltrekordtalkshows hassen

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mi, 13. November 2019

Kolumnen (Sonstige)

Bis Freitag um 17.30 Uhr quasselt ein Moderatorenduo unentwegt im TV / Von Alexander Dick.

Einer unserer Lieblingsbuchtitel in diesem Jahr lautet "Talkshows hassen". Da hat ein Autor eine Meinung. Oliver Weber bezichtigt die Talks der "Versteinerung der Diskussion", was aber die Fernsehsender wenig stört. Schließlich wollen die Produktionsfirmen von Anne Will & Co bedient sein...

Das gilt natürlich auch für Marc Seibold und seinen Youtube-Kanal "Das schaffst du nie". Bislang hat der seine beiden Moderatoren Ariane Alter und Sebastian Meinberg immer irgendwelche verantwortungsvollen Aufgaben erfüllen lassen wie zwei Maß Bier trinken in zwei Stunden, ohne der Blase Erleichterung zu gönnen. Nun aber geht’s um Welt- und Guinness-Rekord: 72 Stunden lang Talkshow – nonstop. Bevor Sie jetzt den Taschenrechner zücken: Wenn alles gut geht, ist am Freitag um 17.30 Uhr Schluss. Wenn alles besser geht, ist vielleicht früher Schluss und ein neuer Buchtitel fällig: Weltrekordtalkshows hassen.

Seit Dienstagabend wird gequasselt. Natürlich nicht unentwegt vom Duo Alter und Meinberg, sondern von dessen Gästen. Wenn es gut geht, haben sie jemanden wie Harald Lesch auf der curryfarbenen Retrocouch sitzen. Der TV-kompatible Physiker schaffte es womöglich sogar, 72 Stunden alleine zu reden – beredt, fachkundig und wissend. Das würde womöglich an der Intention von Seibolds Channel vorbei zielen, auch wenn der dieses Mal mit ARD-Alpha, dem vom Bayerischen Rundfunk betriebenen Bildungskanal, kooperiert. Denn der hat das Thema Bildung und Lernen im Portfolio, da kann man eine privat-öffentlich-rechtliche Allianz schon mal wagen. Doch das Moderatorenduo weiß angeblich nicht, welchen neuen Gast es serviert bekommt. Ist es einer wie André Ortolf, der an Weltrekorden bastelt wie Wackelpudding mit Stäbchen in einer Stunde aufessen, steht eine rekordverdächtige Niveau-Versteinerung zu befürchten. Wir haben uns nach einer guten Stunde erst mal ausgeklinkt. Theoretisch bleibt noch viel Zeit, wieder reinzuschauen. Theoretisch.