UNTERM STRICH: Wollen wir denn noch mehr Freizeit?

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Di, 26. April 2022

Unterm Strich

1. Mai am Sonntag – Linke und Grüne fordern Ersatzfeiertage / Von Ronny Gert Bürckholdt.

Dass der 1. Mai "Tag der Arbeit" heißt, löst mitunter Irritationen aus. Denn da wird in aller Regel gar nicht gearbeitet, sondern relaxed und der erfolgreichen Arbeiterbewegung gehuldigt. Richtig kompliziert wird’s am kommenden Sonntag. An einem Tag, an dem die meisten nie arbeiten, wird dieses Jahr ausdrücklich und von Gesetz wegen nicht gearbeitet – denn dieser 1. Mai fällt auf einen Sonntag.

Für Arbeitnehmer ist das blöd. Wer mal wieder nicht arbeitet, büßt einen arbeitsfreien Tag ein. Wer doch arbeiten muss, verliert einen Zuschlag; denn an diesem 1. Mai ist er gleichzeitig sonn- und feiertags werktätig, ohne dass sich diese Doppelbelastung monetär bemerkbar macht.

Zum Wohle aller fordern Politiker der Linken und der Grünen nun Ausgleichsfeiertage – immer, wenn der Kalender so verrückt spielt. Konkret würde dieser 1. Mai am 2. Mai begangen, oder dieser Sonntag nächsten Montag – je nach Sichtweise. In anderen Ländern soll es sowas schon geben. Weil das die Ampel vor Sonntag kaum noch durch Bundestag und -rat peitschen wird, zielt das Timing des Vorstoßes wohl frühestens auf den 1. Weihnachtsfeiertag ’22 ab (ein Sonntag).

Zur ehrlichen Analyse gehört aber auch, dass hiesige Arbeitnehmer im internationalen Vergleich bereits eine der kürzesten Jahresarbeitszeiten haben, viel Urlaub und deshalb so viele freie Tage wie sonst kaum andere Proletarier, womit wir wieder bei der Arbeiterbewegung wären und den Kirchen. Beide zusammen haben einen riesen Job gemacht: siehe Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag, Christi Himmelfahrt (donnerstags) und Fronleichnam (auch garantiert Brückentag).

Sicher: Wer so schnell so viel wegschafft wie wir, der hat sich die Dauerkarte für den kollektiven Freizeitpark verdient. Aber noch mehr Freizeit? Puh!

Alle Sinnespfade im Schwarzwald sind doch schon zertrampelt. Vom Fachkräftemangel zu schweigen. Und nicht, dass die Wirtschaftsbosse dann mal Ausgleich fordern wegen zu vielen Brückentagen. Der Kalender gibt’s, der Kalender nimmt’s!