Urlaub in Frankreich

Hubert Jennings

Von Hubert Jennings

Mi, 24. November 2021

Offenburg

Viertes Konzert des Offenburger Ensembles in diesem Jahr.

. Trotz Corona hat das Offenburger Ensemble unter der Leitung von Gerhard Möhringer-Gross ein fast schon hyperaktives Jahr hinter sich. Wo das seit 35 Jahren aktive Ensemble sonst auch mal nur zwei Auftritte im Jahr hat, war jenes vom vergangenen Samstag der vierte 2021. Die Lücke, die die Coronapause ließ haben Gerhard Möhringer-Gross & Co. intensiv genutzt, um Meisterwerke der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts vorzustellen. Am Samstag gab es coronakonform Musik von Solisten und kleinen Ensembles für ein treues Publikum, das nur 80 Plätze im Schillersaal vorfand. Das Konzert war schnell ausverkauft.

Wie so oft, gab es in der Programmierung des Ensemble-Leiters musikalische Perlen zu entdecken: Uschi Gross (Klavier) und Annette Winkler (Fagott) interpretierten eine 1959 uraufgeführte Sonatine von Odette Gartenlaub. Die dunklen Farben des Fagotts und die hellen Klangkaskaden des Klaviers mischten sich zu einem schöne Klangbild. Im Anschluss dann eine Violinsonate des in Dresden wirkenden Komponisten Manfred Weiss, der seit mehr als drei Jahrzehnten einen engen Kontakt zum Ensemble pflegt. Offenburgs Violinenvirtuose Friedemann Treiber, der bereits mehrere Werke von Manfred Weiss uraufgeführt hat, tauchte ein in eine abstrakte, eher dunkel gehaltene Klanglandschaft, die erst in ihrer Schlusssequenz eine von harmonischer Wärme geprägte Stilistik entwickelt.

Kurz und Prägnant, die anschließend aufgeführten "Shakespeare Songs" von Igor Strawinsky. Viola de Galgóczy (Mezzosopran), Reinhard Holz (Flöte), Markus Raus (Klarinette) und Tigran Hakhumyian (Bratsche), sorgten erneut für einen musikalischen Paradigmenwechsel, der sich im Anschluss mit "Mechanische Landschaften für Violine solo", von Lars Werdenberg fortsetze. Friedemann Treiber wartete nun mit kantigen Geigenklängen auf, die zwischendurch zwar heftig aufbrausten, in ihrer musikalischen Geste aber von einer kalten Zwanghaftigkeit geprägt wurden. Danach dann drei Klarinettenstücke von Igor Strawinsky, mit denen Markus Raus erneut einen virtuosen Kontrapunkt setze. Warme. Fließende Tongemälde, die im drittel Teil hell aufloderten und so den Boden für das finale Werk des Abends, eine Sonate des französischen Impressionisten Darius Milhaud ebneten.

Friedemann Treiber, der die Sonate im Trio mit seiner Frau Marzena Tozcko-Treiber (Violine) und Roman Kühn (Klavier) zur Aufführung brachte, hat sie mit einem "tonalen Urlaub in Frankreich" verglichen. Zwei lebhafte Ecksätze umrahmen einen langsamen, gefühlvollen Mittelteil. Die Grundstimmung ist heiter an manchen Stellen fast ausgelassen. Ein sehr kontrastreich angelegtes Konzertprogramm des Offenburger Ensembles, das Sehnen und Zerrissenheit des 20. Jahrhunderts illustrierte, wurde so von einem atmosphärisch aufblühenden Schlussakkord gekrönt, einem klassisch modernen Tongemälde, das einlud, sich zurückzulehnen und die Aufführung entspannt zu genießen.